Litfaßsäulen - Werbung in Worringen

 

Derzeit gibt es im Stadtgebiet Köln 375 Plakatsäulen der Kölner Außenwerbung GmbH, einer Firmentochter der Ströer-Gruppe mit 49 % Anteil der Stadtwerke Köln, davon befinden sich sieben Litfaßsäulen in Worringen:
Alte Neusser Landstraße im Bereich der ehemaligen Mädchenschule, an der Ecke Pletschbachweg und gegenüber „Skyline“,
St.-Tönnis-Straße Ecke Üdesheimer Weg,
Bitterstraße Ecke Hackenbroicher Straße,
Hackenbroicher Straße Ecke Grieskuhlenweg sowie
vor dem Parkplatz des Friedhofs am Hackhauser Weg gegenüber Holtestraße.

                                                                           

Aufgestellt wurden die ersten Plakatsäulen von dem Berliner Drucker Ernst Litfaß am 5. Dezember 1854. Die Idee, sog. „Annoncier-Säulen“ aufzustellen, entstand, um der damals ergreifenden Wildplakatierung entgegenzuwirken. Er bekam von der Stadt Berlin ein bis 1865 gültiges Monopol für die Aufstellung seiner Säulen. Dies geschah allerdings unter der Auflage, neben der Werbung anfänglich auch amtliche Bekanntmachungen zu publizieren. Sowohl die Behörden als auch die Werbetreibenden erkannten schnell die Vorteile des neuen Werbemediums. Von staatlicher Seite war eine vorherige Zensur der Inhalte möglich. Werbekunden konnten sich darauf verlassen, dass ihre Plakate auch wirklich für die gesamte gemietete Zeit ohne Überklebungen zu sehen sein würden. Anlässlich des 150jährigen Jubiläums im Jahr 2005 wurde eine Sonderbriefmarke mit dem Motiv der Litfaßsäule aufgelegt.

Auszüge aus den Protokollen der Worringer Bürgermeisterei:
15. Juli 1913
„Der Gemeinderat erhebt keine Einwände gegen den Antrag des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Worringen auf Aufstellung einer Anschlagssäule; er beschließt, dass die Säule nach der Aufstellung in den Gemeindebesitz übergeht und dass die Gemeinde die Erhaltung übernimmt.“
13. November 1913
„Der Gemeinderat vertagt das Gesuch des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Worringen zur Einführung von 2-3 elektrischen Nebenuhren in der Ortschaft Worringen auf Kosten des Vereins.“
16. Juli 1914
„Der Gemeinderat bewilligt auf Antrag des Verschönerungs- und Verkehrsvereins 16.500 M für die Anlage von 3 automatischen Straßenuhren in Worringen.“
Auszug aus den Akten der Bürgermeisterei Worringen 1910 - 1914:
„Aufstellung einer Anschlagsäule an der Wegegabelung Mühlenstraße / Antoniusstraße (* ) durch den Verschönerungs- und Verkehrsverein Worringen.“

In Worringen befanden sich bis in die 1970er Jahre u. a. Litfaßsäulen an der Ecke St.-Tönnis-Straße / Hackenbroicher Straße sowie vor den Wohnhäusern Bitterstr. 11 und St.-Tönnis-Str. 133 - 135 (gegenüber dem Erdweg), die von etlichen Menschen zu Fuß, im Auto oder im Bus passiert worden sind. Ganz schön aufdringlich war die Werbung, aber sie wurde angenommen, weil diese ihre Neugier weckte. Gern liefen die Worringer um die Plakatsäulen herum, um zu erfahren, welche Veranstaltungen und Neuigkeiten inseriert worden sind.
Während der Kriegsjahre wurden an den Plakatsäulen Kriegsdepeschen veröffentlicht. Litfaßsäulen hatten auch die zusätzliche Funktion als Telefonvermittlung oder Transformatorenstation.

                                                                                   

* Mühlenstraße (Mühlengasse, Mühlenweg)
Diese frühere Bezeichnung der jetzigen Hackenbroicher Straße nahm Bezug auf die Windmühle des Domkapitels. Goddert Müller, Besitzer des Anwesens „An Müllebaase“ auf der Alten Neusser Landstraße, betrieb sie um 1670. Die volkstümliche Bezeichnung „Müllebaase“ geht vermutlich auf Paulus Haffmann zurück. Dieser war nachweisbar Unterpächter der Korn- und Ölmühle, der sog. „Ollichsmüll“. Ab 1772 wurde das Mahlwerk durch Pferdekraft betrieben (Rossmühle).
Antoniusstraße (Thönisstraße)
Teilstück der jetzigen St.-Tönnis-Straße von der Kirche Alt St. Pankratius bis Schmaler Wall

 

Manfred Schmidt, Oktober 2013
Abbildungen Heimatarchiv Worringen