Eingemeindung Worringens nach Köln

 

Am 1. April 1922, genau vor 90 Jahren, wurde die Bürgermeisterei Worringen mit den Orten Feldkassel, Fühlingen, Kasselberg, Langel, Merkenich, Rheinkassel, Roggendorf, Thenhoven und Weiler nach Köln eingemeindet. Zur Gemeinde Worringen gehörten damals auch der Hof Brüngesrath, Schloss Arff, Teile des Chorbuschs mit dem Blechhof sowie das Haus Piwipp am Rhein.

Da schon bei Kriegsanfang 1914 die gemeindlichen Soziallasten infolge der ständig wachsenden Arbeitslosigkeit ins Unerträgliche stiegen, griff der überwiegende Teil des Gemeindesrates von Worringen spontan zu, als die Stadt Köln mit Eingemeindungsplänen an die Bürgermeisterei Worringen herantrat. Köln dehnte sich mit nunmehr 251 km² zur flächenmäßig zweitgrößten Stadt nach Berlin aus. Mit einer Einwohnerzahl von 674.000 stand sie an dritter Stelle hinter Berlin und Hamburg. Die nördliche Stadterweiterung war Teil des urbanen Entwicklungsplans für Köln. Für ein neues Industrie- und Gewerbegebiet in unmittelbarer Nähe des Rheins und die schon 1912 geplante Hafenanlage in Niehl waren große Freiflächen erforderlich, die der Gemeindeverband mit dem Bauer- und Fischerdorf Worringen als Mittelpunkt anbot. Die Bürgermeisterei hatte zu diesem Zeitpunkt etwa 7.300 Einwohner und umfasste eine Fläche von 5.339 ha, das waren 27,5 % des Gesamtstadtgebietes, jedoch nur 1,1 % der Bevölkerung.

Um Widerstände gegen die Eingemeindung zu unterlaufen, die sich in einer Worringer Bürgerbewegung regten (bei mehreren außerorts geheimen Volksabstimmungen waren 75 % der Einwohner gegen die Eingemeindung nach Köln) und vom zuständigen Landrat des Kreises Köln-Land auch erwartet wurde, trieben der Kölner Oberbürgermeister Dr. Konrad Adenauer (* 5. Januar 1876, + 19. April 1967) sowie der Worringer Bürgermeister Joseph Seul (* 16. Oktober 1865, Bürgermeister von Worringen vom 1. Juli 1907 bis 1. April 1922) das Verfahren mit größter Eile voran. Dabei nutzte Dr. Adenauer seine Ämter als Vorsitzender des Provinzialausschusses und als Präsident des Staatsrates zielstrebig aus und setzte die staatliche Genehmigung seines Eingemeindungsantrages zügig durch.

Nach Bekanntwerden von geheimgehaltenen Verhandlungen zwischen dem Kölner Oberbürgermeister Dr. Konrad Adenauer und dem Worringer Bürgermeister Joseph Seul leitete der damalige Landrat als Repräsentant des Landkreises Köln gegen Seul ein Disziplinarverfahren ein, da er die Gemeindeinteressen Worringens nicht wahrgenommen habe, vielmehr sein finanzielles Eigeninteresse beim Zustandekommen des Eingemeindungsvertrages im Auge gehabt habe. Dieses verlief jedoch erfolglos.  

So wurden am 3. Februar 1921 vom Worringer Gemeinderat die Eingemeindung der Bürgermeisterei Worringen in die Stadt Köln mit 14 gegen 4 Stimmen beschlossen. Die Stadtverordneten-Versammlung von Köln vom gleichen Tage stimmte der Eingemeindung einstimmig zu. Am 4. Februar 1921 erfolgte die Unterzeichnung des Eingemeindungsvertrages durch den Vertreter der Stadt Köln, dem Oberbürgermeister Dr. Konrad Adenauer einerseits, und der Gemeinde Worringen, vertreten durch den 1. Beigeordneten Heinrich Frenger aus Fühlingen andererseits.  

Jahrhunderte lang führte Worringen ein Eigenleben vor den Toren Kölns. Für die Stadt Köln war die 1922 eingemeindete Bürgermeisterei Worringen Zukunfs- und Erwartungsland, an das sich beim Rat und der Verwaltung, wie aber auch die Einwohner Worringens, viele Idealvorstellungen knüpften, die durch die Zeitabläufe der vergangenen Jahrzehnte bis heute jedoch nicht alle realisiert wurden.

 

Manfred Schmidt, März 2012

Literaturquellen

Carl Dietmar: „Die Chronik Kölns“, Dortmund 1991

Josef Gödecke: „Worringen - Bild eines rheinischen Dorfes“, Köln 1970

Toni Jägers: „Köln-Worringen in Geschichte und Geschichten“, Köln 1985

Abbildungen Heimatarchiv Worringen