Heldentod für´s Vaterland im Ersten Weltkrieg

 

Auf in den Krieg! Es ging um Ehre, Mord und Weltherrschaft. Der vor hundert Jahren begonnene Krieg ging als Erster Weltkrieg in die Geschichte ein. Er mobilisierte Massen wie kein anderer zuvor. Das deutsche Heer zog auf einen Schlag 2 Millionen wehrfähige Männer ein. Mitte 1917 standen 7 Millionen Deutsche unter Waffen. Zwischen 1914 und 1918 dienten 13,1 Millionen Deutsche im Krieg, das waren etwa 20 Prozent der Bevölkerung. Wie schwer Worringen darunter gelitten hatte, ist daraus zu ersehen, dass nach einer Aufstellung der Zeitschrift „Heimatgrüße“ (* 1) in der Ausgabe Mai 1916 aus dem Ort
                                  416 wehrfähige Männer einberufen wurden, die
                                    „dem Rufe unseres allverehrten Kaisers [folgten], um für Gut und Recht den ehrlichen Kampf zu kämpfen“,
                                  davon waren
                                  22 gefallen,
                                  21 verwundet oder erkrankt,
                                  12 in Gefangenschaft geraten und
                                   4 vermisst.

                                                    

19 Worringer empfingen bis dahin das „Eiserne Kreuz“. Die Ausgezeichneten erhielten eine „einmalige Ehrengabe im Betrage von 20 Mark aus der Worringer Kriegssammlung“. In den ersten Kriegsjahren bekam auf Anregung des Bürgermeisters Joseph Seul jeder „im Felde stehende Soldat ein Liebesgabenpaket“.

Als nach der Mobilmachung am 1. August 1914 viele deutsche Soldaten voller Optimismus an die Front zogen, waren die Folgen nicht abzusehen. Die Soldaten saßen gemeinsam mit Ratten und Läusen in den Schützengräben. Sie wurden durch Artillerie beschossen und durch Giftgas getötet. Er dauerte mehr als vier Jahre und endete am 11. November 1918 mit der verheerenden Niederlage der deutschen Truppen. 17 Millionen Menschen hatten ihr Leben verloren, allein auf deutscher Seite 2 Millionen. Es gab kaum eine Gemeinde, die keine Gefallenen zu beklagen hatte. In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg entstanden in fast jeder noch so kleinen Ortschaft Denkmäler, die an die Toten erinnerten.

Auszug aus der Chronik der Pfarrgemeinde Worringen vom 13. Februar 1919 (Gerhard Dane, „Kirche im Dorf“, Köln 1987):
„Das Kriegserinnerungsdenkmal (* 2) wurde heute aufgestellt. Die Pietá mit betendem Krieger und betender Kriegermutter wurde von Meister Alex Iven (* 3) in Köln gefertigt. Mit Stiftungen von Herrn Ignaz Braun, dem Männer-Gesang-Verein, dem Dilettantenclub und der Gutsbesitzerin Frau Peter Heusgen (* 4) wurde es erstellt. Aus der Pfarre Worringen sind 76 Krieger (* 5) für ihr Vaterland gestorben.“

                                                  

Zu Anfang des Krieges sah man viele Frauen abends vor dem Missionskreuz der Pankratiuskirche an der St.-Tönnis-Straße und dem „Cremerius-Gedenkkreuz“ auf dem Mädchenschulhof „om Maat“ betend, um den Schutz Gottes für ihre im Krieg befindlichen Angehörigen zu erflehen. Sorge, Leid und Trauer hatten schon bald die anfängliche Begeisterung verdrängt.
Die Volkszählung vom 1. Dezember 1905 ergab in der Gemeinde Worringen folgende Einwohnerzahlen: Worringen 3.053, Bergerhof 17, Krebelshof 20, Muckel 13 (insgesamt 3.103). Je mehr Männer zum Kriegsdienst eingezogen wurden, desto mehr Frauen mussten deren Arbeitsplätze ausfüllen. Mädchen und Frauen arbeiteten in den Munitionsfabriken und Rüstungsbetrieben zwischen Worringen und   Dormagen (* 6). Der Hungerwinter 1916/17 ging als „Steckrübenwinter“ in die Geschichte ein.

                                                 

* 1 Eine unter Mitwirkung von Worringern erstellte Zeitschrift „Heimatgrüße“ wurde in den ersten Kriegsjahren „an alle im Felde stehenden Bürger Worringens“ versandt.
* 2 Anfänglich war der Standort vor dem gleichfalls 1919 eingesetzten „Kreuzigungsfenster“. Infolge der in 1958/59 notwendigen umfangreichen Restaurierung der Pfarrkirche bekam das Kriegserinnerungsdenkmal (jedoch ohne die Figuren des betenden Kriegers und der betenden Kriegermutter) in der Turmkapelle einen neuen Standort. Während sich das Mahnmal mit den Kreuzen noch heute dort befindet, wurde die „Pietá“ (Maria hält ihr totes Kind noch einmal im Schoß am Abend der Kreuzigung) im Jahr 1999 in die ehemalige Taufkapelle neben der Sakristei gestellt. Über den Verbleib der Figuren des betenden Kriegers und der betenden Kriegermutter liegen leider keine Angaben vor.
* 3 Alexander Iven (1854 - 1934) war einer der angesehensten rheinischen Bildhauer. Er schuf zahlreiche Kunstwerke, so u. a. das Grabdenkmal „Rainald von Dassel“ im Kölner Dom und die Pietà-Darstellung im südlichen Anbau der Krypta von St. Quirinus in Neuss. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Kölner Friedhof Melaten. Die breite Familiengrabanlage wird von einem dunklen Grabstein dominiert, der eine etwa 140 cm hohe Christusfigur trägt.
* 4 Maria Adelheid Zillikens
* 5 85 Krieger laut derzeitigem Erinnerungsdenkmal im Kirchturm von St. Pankratius
* 6 Tausende fanden dort Beschäftigung, darunter auch Kriegsgefangene. Durch das im Oktober 1917 in Betrieb genommene Granatenfüllwerk, dessen Betrieb sich seither beständig verstärkt hatte, lag der „Schwerpunkt des Betriebes der Farbenfabriken nicht in Worringen, sondern in Dormagen“. Nach dem Stand vom 6. Juni 1918 waren in Dormagen 2.679 Arbeiter, in Worringen 1.451 tätig.
Bericht des Bürgermeisters Joseph Seul an den Landrat über den Verlauf der Kaisergeburtstagsfeier am 17. Januar 1917:
„Die Feier wurde überschattet von einer am gleichen Tag sich ereignenden heftigen Explosion in der Sprengstofffabrik der I.G. Farbenfabriken vorm. Friedrich Bayer & Co. bei Dormagen.“
Die Verunglückten und Kranken überwies man in das Worringer Krankenhaus. Bis zum Ende des Krieges befanden sich dort namentlich Russen, Polen und Franzosen.
                                                                          

 

Literaturquellen
Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2014 (2013) des “Kreisheimatbund Neuss e.V.“
Archivunterlagen des „Heimatarchiv Worringen e.V.“

Manfred Schmidt, März 2014