Gegenstände und ihre Geschichte - christlicher Weihnachtsbaumschmuck

 

Wer seinen Christbaum auf „moderne Art“ schmücken will, kann aus einem reichhaltigen Angebot wählen: Fan-Artikel des 1.FC Köln in den Farben rot und weiß, Auto- und Flugzeugmodelle und vieles mehr - Traditionalisten werden sich da mit Grausen abwenden. Beim Anblick von Tannen voller bunter Glaskugeln und Lametta hätten unsere Vorfahren aber wohl genauso reagiert. Ursprünglich tauchten Bäume gar nicht im Zusammenhang mit der Krippengeschichte in der Kirche auf, sie symbolisierten im Mittelalter vielmehr den Paradiesbaum, von dem Eva den verbotenen Apfel pflückte. Als diese Darstellungen aus dem Gesichtsfeld verschwanden, blieb nur der Christbaum mitsamt seinem Schmuck aus Äpfeln. Im 17. Jahrhundert kamen bei wohlhabenden Bürgern Wachskerzen hinzu, etwas später knüpfte man auch Spielzeug, bunte Papierketten, Lebkuchen und Zuckerwerk an die Äste. Der Baum wurde dann von den Kindern „geplündert“. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts stellten Thüringer Glasbläser die ersten Christbaumkugeln her. 1895 wurde der Tannenbaum dann schon von der „Moderne“ heimgesucht - als US-Präsident Grover Cleveland erstmals elektrische Kerzen daran entzündete.

                                                                                          

Erinnern Sie sich noch, wie Weihnachten bei Ihnen früher war?
Mittelpunkt im weihnachtlich geschmückten Zimmer war für uns der Christbaum in seinem Schmuck- und Lichterglanz. Ein  bescheidenes Fichtenbäumchen mit Engelshaar, vergoldeten Nüssen, mit Äpfeln und Süßigkeiten herausgeputzt. Unter dem Baum eine schlichte Krippe. Und dann die Geschenke! Meist, was man halt unbedingt brauchte: ein Paar Schuhe mit Strümpfen, eine warme Mütze, vielleicht noch eine gestrickte Weste und natürlich etwas Weihnachtsgebäck, selbstverständlich von der Mutter gebacken. Dabei durften wir Kinder Tage vorher mithelfen. Sie hatte das Kochbuch von „Davidis“ neben sich gelegt und mischte den Teig genau nach Rezept. Uns machte es ungeheuren Spaß. Den größten Eindruck hinterließen jedoch die Orangen, die aber noch etwas grünlich angehaucht waren, daran störten wir uns aber nicht, sie schmeckten herrlich. Nach der Bescherung versammelten wir uns alle um den Christbaum. Vater spielte auf der Gitarre und wir sangen mächtig viele Weihnachtslieder. „Ihr Kinderlein kommet“ quickste mein kleinerer Bruder stets in den höchsten Tönen und ist den andern immer zwei Wortlaute voraus. Gegen Abend kam noch der Gang zur Christmette hinzu und nicht zu vergessen - der Höhepunkt aller leiblichen Genüsse: die Weihnachtsgans.

Einige Tage vor dem Weihnachtsfest im Jahr 1946 gab es in Worringen für die damaligen Verhältnisse eine außerordentliche Seltenheit und Kostbarkeit - pro Schulkind ein Täfelchen Schokolade aus der Schulspeisung. Das Christkind in der Familie meiner Frau hatte an Heiligabend eine Besonderheit. Es brachte zu ihrer freudigen Überraschung einen wunderschönen Puppenwagen mit Puppe. Leider holte es die schönen Dinge nach einigen Tagen wieder ab.

Wie dem auch sei - ob handgeschlagen aus dem Wald oder mit Ballen aus dem eigenen Garten, ob einfarbig geschmückt oder mit bunter Dekoration, ob in handlicher Größe oder vom Boden bis zur Decke - der Christbaum wird auch das Jahrhundert überleben.

 

Manfred Schmidt, Dezember 2014