Dem Mysterium der Worringer „Burgen“ auf der Spur

 Im frühen Mittelalter gab es allerorts Kämpfe um Land und Macht. Zum Schutz vor Überfällen errichteten die Landesherren einfache Erdbefestigungen. Ab dem 11. Jahrhundert baute man kleine „Burgen“, die sog. Motten. Sie bestanden aus einem Holzturm auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel und waren durch eine Palisade geschützt. Die Motte und die Vorburg waren oft von einem Wassergraben umgeben. Die „Burg“ gehörte in die Reihe jener für das Flachland typischen zweigeteilten „Rundlingsanlagen“ mit Haupt- und Vorburg. Die Zweiteilung erlaubte die Verteidigung des Hauptbaues, eines Wehrturmes, nach Aufgabe der Vorburg mit ihren Wirtschaftsgebäuden. Der Turm in seiner Überhöhung bot fortifikatorischen Vorteil gegen einen Angriff. 

So sicher man weiß, dass in Worringen eine „Burg“ gestanden hat, so wenig ist über ihr Aussehen und ihren Standort bekannt. Durch Ausgrabungen am Ende des Schmalen Walles im Herbst 1988 wurde die bereits anhand von Topografie und Bodenformation gezogene Folgerung bestätigt, dass im Zeitraum vom 11. bis zum 13. Jahrhundert eine Motte - umflossen vom Pletschbach - stand. Der einst wasserreiche Pletschbach (bei Tranchot „Bletschbach“ genannt, vielleicht hieß er einmal Arfft) wurde als natürliches Hindernis in das Wehrsystem einbezogen, er sicherte im Verein mit einem Wehrfeld die Süd- und Ostseite ab. Wahrscheinlich entstand gleichzeitig mit den Gräben der heute nicht mehr vorhandene Dohmenweiher, um die Ostseite durch erhöhte Reißkraft des Wassers bei Schleusenöffnung besser schützen zu können. Flankiert vom Wehrfeld schützten auch Wassergräben auf der West- und Nordseite den Ort. Mit der Worringer Motte verbindet sich eine Anzahl von Fragen. Auch jene, inwiefern der Ort in der Frühzeit ursprünglich eine andere Lage besaß. Der Ausgang der Vorburg in Nordwest-Richtung deutet jedenfalls auf eine andere räumliche Position.

Der Grabungsschnitt durch den Vorburggraben brachte Funde und Anhaltspunkte, die ihr Bestehen und Ende vor der Schlacht bei Worringen 1288 sichern, aber eine genauere Zeitangabe nicht zulassen. Urkunden, die eine Gleichsetzung der „Burg“ mit derjenigen der Grafen von Jülich zwingend machen, liegen nicht vor. Andererseits fügt sie sich jedoch in das überlieferte historische Bild ein. Weitere Burgherren sind in Worringen nicht überliefert, so dass die Annahme, es handelt sich um ehemaligen Besitz der Grafen von Jülich, einiges für sich hat.

                   

Der Erzbischof von Köln kaufte 1276 den Grafen von Jülich ihre Rechte in Worringen ab, zerstörte ihre Befestigung und begann unmittelbar danach mit dem Bau einer eigenen „Burg“. Nach der Schlacht bei Worringen zerstörten die Kölner Bürger die „Burg“, die Bruchsteine wurden nach Köln geschafft und als Baumaterial für die Stadtmauer verwendet.

Ebenso wie über die Jülicher fehlen Hinweise über den Standort der erzbischöflichen „Burg“. Möglicherweise befand sich dieser im Winkel der Straßenzüge „In der Lohn“ und „Auf der Burg“. Hier lag im Bereich In der Lohn 21 ehemals ein Gehöft, das noch im 18. Jahrhundert als Burghof bezeichnet wurde und evtl. übereinstimmt mit einem schon 1535 erwähnten Burghof. Es spricht aber auch vieles dafür, dass die „Burg“ sich auf der Anhöhe an der alten Kirche befand. Dieser Punkt lag strategisch günstig, wenn man den Rhein und die Straßenverbindung nach Neuss kontrollieren und beherrschen wollte. Die Richtigkeit der genauen Lage können jedoch nur Ausgrabungen erbringen.

Ende des 14. Jahrhunderts soll der Kölner Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden (1370 - 1414) erneut eine „Burg“Abb. 3 Dem Mysterium der Worringer Burgen auf der klein in Worringen erbauen lassen. Diese wurde anlässlich einer Fehde mit den Grafen von Berg im Jahr 1419 zerstört.

Im Jahr 1448 protestierte der Rat der Stadt Köln erneut gegen den Wiederaufbau einer „Burg“ in Worringen. Es hat vermutlich noch eine Ruine gestanden, die dann im Kölnischen Krieg Ende des 15. Jahrhunderts endgültig zerstört wurde.

Die Geschichte der Worringer Burgen belegt nur einen geringen Ausschnitt aus dem Zeitgeschehen. Sie verweist aber nachhaltig auf die entscheidenden Auseinandersetzungen um territoriale Gewalt und Machtpositionen in dieser Zeit.

Manfred Schmidt, Mai 2016

Literaturquellen

Dr. Ulrike Giesler, Römisch-Germanisches Museum

Dagmar Hötzel: „Stadtspuren Denkmäler in Köln-Worringen und Roggendorf-Thenhoven, Siedlungsgeschichte bis 1914“, Köln 2002