Hitzeperioden

Mitte August kam aus Nordafrika heiße Wüstenluft nach Deutschland mit Höchstwerten um 38,5 Grad. Das Rheinland gehörte zu den wärmsten Regionen Deutschlands.                                                 

Im Jahrhundertsommer 2003 lag allerdings der Temperaturrekord für Nordrhein-Westfalen laut Wetterdienst bei 40,1 Grad, dieser Wert wurde am 12. August gemessen.

Eine solche Hitzeperiode ist für Mitte August nichts Ungewöhnliches, schließlich befinden wir uns in den „Hundstagen“, die normalerweise die heißesten Tage des Jahres sind. Sie dauern vom 23. Juli bis zum 23. August. Ihren Namen haben sie vom Sternbild „Großer Hund“, das in diesem Zeitraum am Morgenhimmel steht.

Nach den bisherigen meteorologischen Aufzeichnungen ereigneten sich in Deutschland wiederkehrende Hitzeperioden. Die Folgen waren hauptsächlich in der Land- und Forstwirtschaft erkennbar.

                                                   

1983 wurde am 17. Juli in Köln mit 35,4 Grad der heißeste Tag des Jahres registriert. Der Wasserverbrauch der Einwohner stieg den Temperaturen entsprechend. Unter Wassernot litten insbesondere die Bäume, sie waren außerdem durch Waldbrände akut gefährdet. Der Rhein verlor zunehmend an Wasser. Ende August stand der Pegel nur noch auf 2,34 m.

Laut der „Rheinischen Dorfchronik“, Dormagen 1926, führte anhaltende Hitze in den Sommermonaten zu Flächenbränden sowie außergewöhnlichen Ernteausfällen in der Landwirtschaft. 

                                                                

Tagebuch des J. Peter Delhoven aus Dormagen:

12. Juni 1799

„Nachmittags verdunkelte sich die Sonne, und es verbreitete sich ein stinkender Heerrauch* so, wie wir im Jahre 1783 ** hatten.“

* Rauch abbrennender Moorflächen

** in 1783 war eine länger anhaltende Hitzeperiode

Juli 1799

„Es war entsetzlich heiss. Dies veranlasste, dass viele junge Leuthe in der ersten Stunde nach

Mittag zum Rheine baden giengen.“

August 1807

„Seit dem Jahr 1783 ist es nicht so anhaltend und entsetzlich heiss gewesen. Die Gemüse sind sehr rar, die Erdäpfel haben noch nichts an, und die Bohnen sind alle reif. Grüne Fourage *** vors Vieh gibt es keine mehr, das Heu, welches vor einem Monath um 4 Rthlr. verkauft wurde, gillt izt eine Louiedor.“

*** Futter

Juni 1819

„Der Anfang des Junius ware so wie der Mey ohne Regen, heiß und trocken, so dass dicke Bohnen und Salath gänzlich versagen. Es ist wenig Klee, und der Mangel an Futter vors Vieh ist äusserst drückend. Das Vieh leidet Mangel.“

Juli 1819

„Die Tage des Julius waren so heiss als man gedenkt.“

August 1819

„Alles verdorrt. Die Hitze ist unausstehlich und verbrennt die Rübweiden, die sich so trefflich ansehen. Der Mangel unter dem Vieh ist äusserst drückend. Die Mäuse nehmen überhand und fressen die Stoppelklee vollends hinweg. Bäume verdorren, und im Felde und Gärten verbrennt alles was grün ist.“

September 1819

„Dieser ganze Monath ware dem August vollkommen gleich. Nur sehr selten hatten wir ein kleines Schäuerchen Regen, dass nur ein Finger tief in die Erde drang. Rüben gibt es keine, und die Erdäpfel kann man nur zur halben Saath rechnen.“

Infolge der länger anhaltenden Hitzeperiode im Jahr 1819 wurde die Ernte überwiegend vernichtet. Die Preise für Roggen und Weizen stiegen ins Astronomische, die „Erdäpfel“ waren schlecht oder vertrocknet, das Obst verfaulte schon an den Bäumen. Um Wucherern das Geschäft mit dem wachsenden Hunger zu verderben, wurden „Aufsichter über die Früchtehändel und Mackeler“ eingesetzt. Die Behörden verboten das Schnapsbrennen aus Kartoffeln und Getreide. Sparrezepte wie „Spartanische Suppe“ oder „Noth-Salat“ aus jungem Klee, Birkenknospen, Ampfer, Hopfen oder Löwenzahn worden empfohlen. Neben privaten Notprogrammen half die preußische Regierung mit großen Getreidelieferungen aus den Ostseegebieten.

Manfred Schmidt, August 2012