Was stand vor mehr als 50 Jahren über Worringen im „Fips“ ? (November 1960)

Im Fundus des Heimatarchivs befinden sich – auch für unsere Besucher zugänglich – mehrere nach Jahreszahlen gebundene Ausgaben „Rheinischer Anzeiger, Heimatzeitung für Köln-Worringen – Dormagen – Zons – Nievenheim und Umgebung.“ Hier eine Auswahl (Abschrift) aus dem Monat November 1960.

  • Worringens Fußballer ließen nach Niederlagen gegen Pulheim und Polizei SV einen klaren 0:4 Erfolg bei Eintracht Köln folgen. Die starke Abwehr und der dreifache Torschütze Montag waren Garant für den Erfolg.
  • In einem schlechten Zustand befindet sich der Radweg von Worringen nach Dormagen bis zur Stadtgrenze von Köln. Durch wiederholten Aufbruch im Zuge von Kabelverlegungen ist dieser Rad- und Fußweg fast unbefahrbar geworden. Abhilfe ist hier dringend erforderlich.
  • Oberstadtdirektor Dr. Adenauer teilt mit, dass Ostern 1961 die Schulpflicht für alle Kinder beginnt, die bis 31. März das sechste Lebensjahr vollenden. Die Schulneulinge sind bei der für sie in Frage kommende Volksschule ihres Bezirks unter Vorlage des Hausstandsbuches und des Impfscheins anzumelden.
  • Mit nur einem Tag „Verspätung“ eröffneten Worringens Karnevalisten anlässlich der Elften-im-Elften-Veranstaltung im Saal Lutz mit einer Sitzung mit Damen die neue Karnevalssession. Der Neue Festkomitee-Präsident Willy Miebach gab sein Debüt als charmanter und humorvoller Sitzungsleiter. Als Auftretende glänzten z. B. die „Vier frohen Sänger“ (Mattke, Boes, Lutz, Dünwald), Everhard Annas in der Bütt, der sich für eine politische Partei einsetze, die ausschließlich der Freude dienen will. Weiterhin trugen die Gebrüder Kohr in einem Duett, Hermann-Josef Boes mit einem Gesangsvortrag, Heinz Wolfgang Annas in einer Büttenrede als Nato-Soldat und Illa Tscheslog mit ihrer Rede als „Strunzbüggels Billa“ mit vielen anderen Auftretenden zu einem gelungenen Abend bei. Höhepunkt war natürlich die Vorstellung des neuen Prinzen. Kurt Kuhlmann - erst 20 Jahre jung - von der KG „Immerfroh“ wird die Narren in der kommenden Session anführen.
  • Der Brieftaubenliebhaber-Verein „Rheinlust“ veranstaltet im Saale von Jakob Lutz eine Sieger- und Schlagausstellung.
  • Die Eheleute Franz Lambertz, geboren 1884 in Bonn und seine in Worringen geborene Ehefrau Elisabeth, geborene Steuermann begehen ihre Goldene Hochzeit. Sie lernten sich beim Tanze im Saale Schröder (heute Gladbach) kennen und lieben, haben 4 Kinder und leben noch heute in ihrem Haus in der Bitterstrasse, welches sie 1924 bezogen.
  • Die Mitglieder der Konsumgenossenschaft Köln feierten das Goldene Jubiläum der Verkaufsstelle Worringen, die sich seit 50 Jahren im Hause des Handelslehrers a.D. Spanke besteht.
  • Das Zentraltheater zeigt den spritzigen Abenteuerfilm „Küsse, Kugeln und Kanaillen“ mit Eddie Constantine.
  • Ein Liter Benzin kostete 0,53 DM, Super 60 und Diesel 48 Pfennige.

Erstellt:   Horst Winter – Heimatarchiv Worringen e.V.

Wussten Sie schon ... ?

Geschichtsdokumente - „Ein außergewöhnliches Gefäß der Römerzeit“

Fotos zum Vergrößern!

Worringen ist in Hinsicht auf seine historische Entwicklung sowie das kleinstädtische niederrheinische Gepräge einer der interessantesten Stadtteile Kölns. Aus Worringen und seiner Umgebung sind zahlreiche vor- und frühgeschichtliche Fundstellen bekannt. Eine größere Anzahl römischer Fundstellen zeugt von der Bedeutung des Ortes im 1. bis 4. Jahrhundert nach Christus. So lassen Architekturfunde die Existenz römischer Gutshöfe mutmaßen. In der Worringer Gemarkung waren mindestens zwei Gutshöfe (villae rusticae) mit kostbarer Gebäudeausstattung. Der eine lag am südlichen Innenrand des Worringer Bruchs in der Flur Eispol (Espel), der andere nördlich des Further Weges, beiderseits der Bahntrasse Köln - Neuss.


                                                     


Der Wohlstand, in dem die Besitzer dieser Anlagen lebten, machte es wahrscheinlich, dass der Reichtum nicht allein auf der Landwirtschaft beruhte. Es handelte sich entweder um begüterte römische Bürger der Provinzhauptstadt Köln - Colonia Claudia Ara Agrippinensium (kurz Colonia Agrippina, auch CCAA, „Claudische Kolonie und Opferstätte der Agrippinenser“ frei übersetzt) oder um die Besitzer der Ziegeleien des näheren Umlandes. Dort befanden sich mehrere Ziegeleien, welche die Auenlehme als Rohstoff nutzten und ihre Erzeugnisse über den Rhein kostengünstig verhandeln konnten.

                                

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde in einem Grab entlang der Straße „Zu den Bendengärten“ ein eindrucksvoller konischer Becher (später „Worringer Becher“ genannt) mit reichen figürlichen Darstellungen (Venus und Amor in einer Weinschänke) gefunden, ein Prunkstück römischer Handwerkskunst aus dem 3. / 4. Jahrhundert. Im Jahr 1881 wurde der „Worringer Becher“ - aus farblos-durchsichtigem Glas gefertigt - mit einem hohen kunsthistorischen Wert aus dem Besitz des Kölner Kunstsammlers Franz Carl Damian Disch (* 1821, + 6. November 1880 in Köln - Gastwirt und Hotelbesitzer des Hotels Disch, seit 1928 / 1930 Verwaltungsgebäude der Stadt Köln, Disch-Haus) auf einer Auktion des Kunsthauses H. Lempertz´ Söhne - Köln für den höchsten Preis von 8.000 Goldmark an den Kunsthändler Hoffmann - Paris versteigert. Danach befand sich der „Worringer Becher“ im Besitz des russischen Diplomaten Graf Alexandre Petrovic Basilewsky (* 1829, + 1899) - Paris, Kunstsammler und Mäzen, und ging später an das „Toledo-Museum of Art“ in Ohio - USA. Dort wird er nunmehr als „THE WORRINGEN BEAKER“ geführt.


                                                

Hauptmotiv des Bechers sind Venus, die Göttin der Liebe, der Anmut und des Liebreizes, sowie Amor, der Gott der Liebe, dazu ein mehrstöckiges Wohnhaus mit Schänke. Die Szene spielt am Ufer des Tibers in Rom, genauer gesagt, am Fuß des Hügels Palatin, nicht weit weg von den Tempeln Juno und Jupiter, die im Hintergrund zu sehen sind. Der Glasschleifer hat sich mit Sorgfalt bemüht, allerlei Details greifbar wiederzugeben. Die Umrisse der Figuren und Gegenstände sind flach geschliffen, ebenso die Augen und Hände, während alle übrigen Flächen mattiert wurden.

In der Auktion wurde irrtümlich als Fundort Bonn angegeben sowie folgender Hinweis im Katalog angezeigt:

Versteigerung Los- Nr. 1361 vom 12. Mai 1881

„Becherförmiges, durchweg gravirtes Glas, mit einem unteren und oberen Ornamentband, zwischen denen streng stilisirte Costümfiguren und Engel sich in lebendiger Gruppirung vor einer dem Anscheine nach frühchristlichen Architectur bewegen. Die eine Scene scheint ein Opfer, die andere einen Empfang darzustellen. Aeusserst seltenes Glas von hoher Bedeutung. Intakt erhalten.“

Literaturquelle

Dr. Fritz Fremersdorf: „Die römischen Gläser mit Schliff, Bemalung und Goldauflagen aus Köln“ , Köln 1967
(Leiter der Römischen und Germanischen Abteilung des Wallraf-Richartz-Museums 1923 - 1946, Direktor des Römisch-Germanischen Museums 1946 - 1959)

Abbildungsnachweise
Worringer Nachrichten Nr. 3 / November 2018
aus privater Sammlung

Bericht: Manfred Schmidt

heimatarchiv-worringen.de/September 2019

 

Worringer Heimatarchiv sucht Fotos aus Worringen

Führungen durch Worringen weiterhin im Angebot

 

Der Vorstand des Heimatarchivs Köln-Worringen ist stets bemüht, das Leben in Worringen in Schrift und Bild zu dokumentieren und ist aus diesem Grunde permanent auf der Suche nach historischem, aber auch aktuellem Fotomaterial. Gesucht werden alte und neuzeitliche Fotos von Worringer Gebäuden, Straßenzügen, Objekten, Geschäfte (ggfs. mit Einrichtungen), Feierlichkeiten, Karneval, Theateraufführungen und Gaststätten, mit oder ohne Gäste. Auch Fotos aus der Natur im Worringer Umfeld, wie von der Rheinaue, dem Worringer Bruch oder auch vom Worringer Frohnweiher. Bürger, die derartige Fotos besitzen und diese zur Verfügung stellen möchten, wenden sich bitte an den Vorstand des Worringer Heimatarchivs.

Ferner bietet der Vorstand auch künftig Führungen im historischen Ortskern an, die für Gruppen ab 15 Personen zum Preis von 5,- € pro Teilnehmer angeboten werden. Diese Führungen sind besonders bei Anlässen wie Klassentreffen, Famlienfeiern etc. sehr beliebt, insbesondere auch, weil sich die Referenten der Führungen stets viel Mühe geben und neben den allgemeinen Informationen auch mit viel Wortwitz zum Thema begeistern.

Bei Interesse an den Führungen bitte Kontakt zum Vorstand des Worringer Heimatarchivs aufnehmen (Telefon: 0221-785678 oder 0221-784850 - Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!). 

 

Jakob Mildenberg

Worringer Heimatarchiv

Im Wandel der Zeit - ein Blick in die Vergangenheit

Fotografie der Worringer Familien Lukas und Röllgen

Foto zum Vergrößern!

In den Sammelbeständen des Heimatarchivs befinden sich ca. 10.000 Fotografien aus dem Spektrum der Worringer Ortsgeschichte. Vereinzelt werden Fotos in den Bestand aufgenommen und veröffentlicht, obwohl ihre Aussagefähigkeit und historische Authentizität nicht expliziert zu erkunden sind. Dennoch geben sie spannende und faszinierende Einblicke.

Zu dieser Kategorie gehört auch diese Aufnahme, die Jakob Röllgen dem Heimatarchiv mit einem Konvolut von Fotografien aus seinem Familienbesitz überlassen hat. Ob es sich bei den abgelichteten Personen um Familienangehörige handelt, ist nicht zu recherchieren.

Die Großeltern von Jakob Röllgen, Christian (1876-1936) und Christine Lukas (1890-1972) lebten in der Mühlenbergstraße 5. Dort führten Christine und ihre Tochter Barbara „Betti“ bis in die 1960er Jahre einen „Tante-Emma-Laden“ mit Süßigkeiten aller Art. Beiden „Pänz“ war das in Gläsern abgefüllte Sortiment an „Kamelle“, die für Pfennigbeträge erhältlich waren, eine Begehrlichkeit. Dies war Anlass, die schmale historische Straße - auch noch heute - als „Lukasejäßje“ zu benennen.

                             

Diese Fotografie zeigt die Ansicht einer Stadtrundfahrt mit einer Pferdedroschke des Besitzers Friedrich Höchstenbach um 1920 vor dem Portal des Kölner Doms. Im Jahre 1919 gründete Friedrich Höchstenbach im Kölner Gereonswall 97 ein Fahrgeschäft. In den Anfängen führte er mit Kutschen, später mit Omnibussen Stadtrundfahrten durch.

Heute bieten diverse Anbieter Stadtrundfahrten mit einem Doppeldeckerbus und einer „Bimmelbahn“ an. Eine Rückkehr zu Pferdedroschken wäre sowohl für die Umwelt, als auch in der Verkehrsdichte sicherlich empfehlenswert, und zudem „romantischer“!

Bericht und Foto: Heimatarchiv Worringen e.V.

 

Das Worringer Heimatarchiv sucht Personen, die in Sütterlinschrift verfasste Dokumente in die derzeitige Schreibweise umsetzen. Kontakt: H.-J. Heinz 0221-785678

Besuchen Sie das Heimatarchiv und gehen Sie auf Entdeckungsreise.