„St.-Tönnis-Strasse – Ein Blick in die Vergangenheit“

Das Heimatarchiv Worringen präsentiert ab sofort seine neue, ca. 80 Seiten umfassende Broschüre

mit dem Titel “St.-Tönnis-Strasse – Ein Blick in die Vergangenheit”.

Josef Heinz, Walter Bröder und Horst Hackenbroich präsentieren hier zahlreiche Anekdoten, Geschichten und Fotos aus der Historie Worringens und hier im Besonderen über die Sankt-Tönnis-Straße.

Viele historische Fotos zeugen hier vom Wandel der Zeit, denn man erkennt als junger Mensch oder später hinzugezogener Worringer sehr oft einige Teilbereiche der St.-Tönnis-Straße nicht mehr wieder.

Zahlreiche Fotos aus der Vergangenheit und Berichte zu den mehr als 30 Worringer Kneipen oder auch den sieben Worringer Ziegeleien, sowie dem allgemeinen Geschehen auf und um die Sankt-Tönnis-Straße, machen diese Broschüre zu einem lesenswerten Dokument. Dem Vorstand des Heimatarchivs ist hiermit gelungen, die “guten, alten Zeiten” der heimlichen Hauptstraße Worringens der Bevölkerung in Wort und Bild in Erinnerung zu rufen. Die Broschüre kostet lediglich 7,00 € und ist ab sofort an den folgenden Verkaufsstellen erhältlich:

Heimatarchiv Breiter Wall 4, Getränke Adam St.-Tönnis-Str. 134, Raumausstattung Wirtz Hackenbroicher Str. 8, Hofladen Tappen Schmaler Wall 31, Friseurteam Sabella Hackenbroicher Str. 66

 Heimatarchiv Worringen

Jakob Mildenberg     

                                                                                                       

Foto aus dem Jahre 1959: Es zeigt die Häuserzeile vom „Maat“ 

bis zur Metzgerei Peter Schiefenbusch

                                                                                                           

 

 

 

Was stand im November 1974 über Worringen im „Fips“ ?

Im Fundus des Heimatarchivs befinden sich – auch für unsere Besucher zugänglich – mehrere nach Jahreszahlen gebundene Ausgaben „Rheinischer Anzeiger, Heimatzeitung für Köln-Worringen – Dormagen – Zons – Nievenheim und Umgebung.“ Hier eine Auswahl (Abschrift) aus dem Monat November 1974.

  • Resi Kemp, gelernte Großhandelskauffrau und jetzt als Karnevalssängerin („Ballonreife-rädche) agierende „Löstige Junge“-Aktive, fand überschwengliche Dankesworte für den Dormagener Frisör und Schminkmeister Hans Pesch. „Dä surch för mech wie ene Vatter für sie Keng“. Pesch hatte ihr seine Schuhe (Größe 10) zur Verfügung gestellt, weil ihr die eigenen Schuhe etwas zu eng waren – die trug diese Utensilien nämlich beim Auftritt verkehrt herum.
  • Mit Fahnen hat es die 19971 aus der Fusion von vier Worringer Sportvereinen (TUKSV, BV 27, DJK, RS Endspurt) vorgegangene Sportgemeinschaft EC/Bayer nicht so sehr. Dafür erreichte sie, was ihren Vorgängern verwehrt bliebe; sie bekam von der Erdölchemie ein eigenes Sportlerheim für mehr als 30.000 DM geschenkt.
  • Unfallschädenbeseitigung durch Karosserie-Meisterbetrieb Max Hüsch, Brombeergasse.
  • Über „Rechtsnormen im Wandel der Gesellschaft“ sprach der Kölner Oberstaatsanwalt Peter Paul Nesseler im Jugendheim am Breiten Wall auf Einladung von Katholischer Arbeitnehmerbewegung und Kolpingfamilie. In seinem außerordentlich interessanten Referat stellte Nesseler eines klar heraus : Für Staat und Gesellschaft gebe es sittliche Werte von allgemeiner Gültigkeit, eine von christlicher Überzeugung geprägte Ordnung. Wer sich von diesen Grundwerten, die für das Zusammenleben einer Gesellschaft unverzichtbar seien, bewußt entferne, verliere die Fähigkeit zu gemeinschaftlichem Leben. An diesem Abend konnte Vorsitzender Uhl auch Kaplan Nies begrüßen, aber auch bemerkenswert viele Zuhörer, die sich an der anschließenden vertiefenden Diskussion lebhaft beteiligten.
  • Ein Siemens Color Fernsehgerät mit Ultraschall-Fernbedienung kostet ca. 2000DM
  • Seit drei Wochenläuft die nagelneue Butadienanlage bei der Erdölchemie Worringen reibungslos mit einem Auslastungsgrad von derzeit etwa 80 Prozent und unter den verschärften Bedingungen für den Umweltschutz. Man rechnet damit, daß in diesen Tagen auch die richterliche Entscheidung über das Ansinnen der „Interessensgemeinschaft“ fällt, die per einstweiliger Verfügung die vom Regierungspräsidenten erteilte Genehmigung zur Inbetriebsetzung der Butadienanlage zurückgenommen sehen möchte.
  • Der Aufsichtsrat der Erdölchemie Worringen hat einstimmig dem Wunsch des Betriebsrates entsprochen, eine Mehrzweckhalle in Worringen bauen zu lassen. Es ist an ein Gebäude vom Format des Knapsacker Feierabendhauses gedacht. Es soll auch für Belegschaftsversammlungen der EC genutzt werden können. Die Baukosten werden bei über 1 Millionen Mark liegen.
  • Seit vielen Jahren wieder zum ersten mal kam es zu der Lokalbegegnung zwischen dem SSV Roggendorf als Gastgeber und der SG Worringen. Die Gästen gewannen die Partie klar mit 3:1 Toren, Worringens Treffererzielten Schöpe, Gotzens und Helm. Das Vorspiel machten die Zweitvertretungen, auch hier siegte Worringe klar mit 7:0 durch Tore von Toeller (3), Hackmann (2) sowie Jansen und Minacori.
  • Von seiner humorvollen Seite zeigte sich der Worringer Schnupfverein, der seine Mitglieder zu einem bunten Abend in das Haus Schlösser geladen hatte. Unter Mitwirkung von vielen Karnevalisten führte Fritz Nitsche durch ein kunterbuntes Programm, für die musikalische Untermalung sorgten Hein Thönes und Sohn. Der Reinerlös dieses Abends kommt der Altenhilfe zu Gute. Am Folgemorgen fanden sich die Unentwegten dieses Abends wieder im Haus Schlösser zu einem „Katerfrühstück“ beim Angelverein „Fischwaid“ ein, dessen Mitglieder ebenfalls dem Schnupfverein angehören.

 Erstellt:   Horst Winter – Heimatarchiv Worringen e.V.

Heimatarchiv Worringen mit neuem Vorstand

Der Vorsitzende des Heimatarchivs Worringen, Josef Heinz, zeigte sich erfreut über die Teilnahme von insgesamt 19 Anwesenden anlässlich der ersten Mitgliederversammlung seit der Coronapandemie.

Unter Beachtung der 3G- und Abstandsregeln, fand diese im Saal des Vereinshauses in Worringen statt. Von der Bezirksvertretung Chorweiler war der Vorsitzende der SPD, Mattis Dieterich anwesend.

In den Berichten der Vorstandsmitglieder ging es zunächst um das Geschehene, vor allem aber auch um das nicht Geschehene der letzten beiden Jahre. Alle Aktivitäten, wie Ortsführungen, Ausstellungen und Vorführungen kamen in der Coronazeit zu kurz oder gar zum Erliegen. Die Mitgliederzahl sank geringfügig von 103 auf 100 Mitglieder. Der Kassenbericht der letzten beiden Jahre zeigte, dass der Verein trotz der fehlenden Einnahmen des Jahres 2020, eine gesunde Basis hat.

Für die nahe Zukunft und das Jahr 2022 sind wieder viele Aktivitäten wie Ortsführungen und Ausstellungen vorgesehen. Ebenso sind neue Broschüren in Vorbereitung, deren Verkauf ein wesentlicher Bestandteil des Haushaltes neben den Beiträgen und Spenden sind. Auch eine Veranstaltung mit dem Bürgerverein Worringen, anlässlich der 100-jährigen Eingemeindung von Worringen zur Stadt Köln, wird 2022 ein Höhepunkt sein.

Besonders erfreut zeigt sich Josef Heinz, dass ab dem 27.10.2021 das Heimatarchiv wieder seine Türen für die Bevölkerung -unter Einhaltung der 3G-Regeln- öffnen kann. Ab 17.00 Uhr kann dann mittwochs von der Öffentlichkeit die aktuelle und wegen Corona verschobene Ausstellung zum Thema „111 Jahre KG Löstige Junge“ besichtigt werden.

In der Vorweihnachtzeit wird eine neue und umfangreiche Broschüre veröffentlicht, die den Titel trägt, „St.-Tönnis-Strasse – ein Blick in die Vergangenheit“.

Hierin werden zahlreiche Anekdoten zu den Anwohnern und historische Fotos der gesamten St.-Tönnis-Straße veröffentlicht, in denen sich noch einige Worringer selbst oder deren Familien wiederfinden.

Neben den zahlreichen Informationen, gab es zwangsläufig auch die Wahl der Vorstandsmitglieder und diese ergab, dass Josef Heinz, ein letztes Mal kandidierte und einstimmig als Vorsitzender wieder gewählt wurde. Zum Kassenwart wurde Jürgen Lange gewählt, zum Geschäftsführer Michael Chimiak und als neuer Protokollführer für den verstorbenen Heinz Boes, Manfred Knoll.

Als Kassenprüfer wurden Michael Star und Paul Junker einstimmig gewählt.

Der Dank von Josef Heinz galt allen Mitarbeitern, die im Archiv und bei den Veranstaltungen zahllose Stunden ihrer Freizeit opferten und hervorragende Arbeit geleistet haben, verbunden mit der Hoffnung, dass die ab 27.10.2021 wieder eröffneten Räume des Heimatarchivs auch wieder von der Bevölkerung genutzt werden.

Geöffnet ist mittwochs ab 17.00 Uhr oder auch auf Anfrage. (www.heimatarchiv-worringen.de).

Text: Jakob Mildenberg, Foto: Jakob Mildenberg

Foto von links nach rechts: Manfred Knoll, Michael Chimiak, Josef Heinz, Jürgen Lange

Wussten Sie schon … ?

Als Worringen in Frankreich lag - Umbrüche und Reformen in napoleonischer Zeit (Teil II) 

                                                                                        Fotos zum Vergrößern!            

Volkszählungen

Die Besetzung der linksrheinischen Gebiete durch französische Truppen brach alsbald alte gesellschaftliche Strukturen und Normen auf. Die Französische Revolution hatte nicht nur in Frankreich eine neue Ordnung von Staat und Gesellschaft begründet, sondern sie beeinflusste künftig auch wesentlich die Gestaltung der Verhältnisse im Rheinland. Die Verwaltung interessierte sich nicht nur für Neugeborene, frisch Vermählte und Verstorbene. Es war ihr vielmehr daran gelegen, einen möglichst detaillierten Überblick über die Gesamtbevölkerung zu bekommen. Zu diesem Zweck führte die französische Regierung erstmals in der rheinischen Geschichte Volkszählungen durch. Die Übersicht über die Zahl der Einwohner im Kanton Dormagen, zu dem Worringen in der französischen Zeit verwaltungsmäßig gehörte, gibt für den gesamten Kanton 8. 387 Einwohner an. Auf Worringen entfallen davon 400 Einwohner. Diese Zahlen wurden bei einer Art Bevölkerungsaufnahme ermittelt, bei der alle Einwohner über 12 Jahren mit Namen, Alter und Beruf erfasst wurden. Als Beruf wird bei den meisten Einwohnern „cultivateur“ (Landwirt) angegeben. Die übrigen Berufe waren: „maitre d`école“ (Schulmeister), „marcetender en détail“ (Kleinhändler, Hausierer), „taillleur“ (Schneider), „cordonnier“ (Schuster), „mercenaire“ (Lohnarbeiter) und außerdem „marechal ferrente“ ( Hufschmied).
Die Regierung erhob außerdem systematische Daten über den neuen und unbekannten Landstrich. Auf diese Weise entstanden die Aufzeichnungen über die Bevölkerung und ihre Lebensbedingungen, ihren Gesundheitszustand sowie über die wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Verhältnisse. Sie bieten uns heute einen recht detaillierten Einblick in die Bevölkerungsstruktur.

                                                         

Säkularisation („Verweltlichung“)

Säkularisation bedeutet im weiteren Sinne den Übergang von kirchlichem Eigentum in die Verfügungsgewalt des Staates. Im engeren Sinne ist darunter die ohne kirchliche Erlaubnis erfolgte Einziehung und Verwendung von geistlichen Gütern zu profanen Zwecken zu verstehen.
Eine bislang nie dagewesene Umwälzung der Grundbesitzverhältnisse zog die Säkularisation der Klöster und Stifte nach sich. Diese waren bereits bald nach der französischen Inbesitznahme des linken Rheinufers unter Druck geraten und mussten spätestens dann um ihr Überleben fürchten, als ihnen 1798 die Aufnahme von Novizen verboten wurde. Die völkerrechtliche Anerkennung der Einverleibung der Gebiete links des Rheins durch Frankreich im Friedensvertrag von Lunéville 1801 und das Konkordat zwischen Frankreich und Papst Pius VII. im selben Jahr ebneten der völligen Neuordnung der kirchlichen Verhältnisse im Rheinland den Weg. Die Organisationsstruktur der Kirche wurde an die des französischen Staates angelehnt. Das Erzbistum Köln wurde aufgelöst und ein neues Bistum mit Sitz in Aachen errichtet. Die Pfarrer waren von den durch das Staatsoberhaupt ernannten Bischöfen abhängig und diese von den Präfekten. Für jeden Kanton war eine Hauptpfarrei vorgesehen und eine gewisse Anzahl von Hilfspfarreien. Alle geistlichen Amtsträger wurden fortan vom Staat besoldet, dem sie einen Treueid zu leisten hatten. Am 9. Juni 1802 beschlossen die französischen Konsuln unter der Führung Napoleon Bonapartes fast sämtliche Klöster und Stifte im Linksrheinischen aufzuheben. Innerhalb weniger Wochen wurde dieser Beschluss mit administrativer Präzision ohne erwähnenswerten Widerstand umgesetzt. Mit der Ausführung ging eine jahrhundertalte Klosterlandschaft im Rheinland unter. Übrig blieben nur noch wenige Konvente, die sich ausschließlich der Bildung oder der Krankenpflege widmeten. Sämtliche Güter der säkularisierten Klöster und Stifte waren nun verstaatlicht und wurden zumeist Makler und Immobilienhändler, die die Grundstücke oftmals nach einer Parzellierung weiter vermittelten oder verkauften. Im Kanton Dormagen machte der Landanteil der Kölner geistlichen Institutionen 42 % aus. In der französischen Zeit wurden im Roer-Departement etwa 5.600 Grundgüterpositionen mit wechselndem Erfolg offeriert und verkauft.
                                                                   
Während die Höfe vorwiegend von städtischen Käufern und hierbei hauptsächlich Fabrikanten, Händlern und „Rentnern“ erworben wurden, gingen die Landparzellen mehrheitlich in das Eigentum von Handwerkern und Bauern über.

Die ersten Versteigerungen des ehemaligen Kirchenbesitzes mit der Bezeichnung Worringen hatten - nachdem alle linksrheinischen Gebiete an Frankreich abgetreten worden waren - im März / April 1805 stattgefunden.

Versteigerungen der Höfe in der „Mairie Worringen“
Um 1850 betrugen die wöchentlichen Haushaltskosten eines 5 Personenhaushalts etwa 3,5 Reichstaler.

Währungsverhältnis: 5 Francs = 1 Reichstaler, 7 Groschen und 6 Pfennige (1 Reichstaler = 3,809524 Francs).
Objekt                         Pächter / Mieter          Kaufpreis in Francs    Käufer / Datum
                                                                       / Herkunft                                        

Fronhof                       Paul Dahmen              27.000 /                       Marinelieferanten
mit 75,2 ha                                                     Domkapitel                 La Branche und Consorten
                                                                                                          verpfändet 05.01.1804 / Paul Dahmen / ?                                                                                                    
Pilgramshof                Georg Bodenheim      22.000 /                       Marinelieferanten
mit 71,1 ha                                                     Domkapitel                 La Branche und Consorten
                                                                                                          verpfändet 05.01.1804 / Franz Adam Cremerius / ?                                                                      
Bergerhof                   Franz Adam               21.800 /                       Franz Adam Cremerius /
mit 68,1 ha                  Cremerius                   Malteserorden            11.05.1807 (25.05.1807)
                                                                     (St. Johann und
                                                                       Cordula)
Großhof                      Paul Zaun                   29.000 /                       Jacob Tops /
mit 66,3 ha                                                     Domkapitel                 11.05.1807 (25.05.1807) /
                                                                       Wiederangebot           Paul Zaun und Raban Herfeldt /
                                                                                                         30.03.1808 (15.04.1808)
Dickerhof                   Peter Bodenheim        27.100 /                       Jean Baptist Febvre /
mit 64,8 ha                                                     Domkapitel                 30.03.1807 (15.04.1807)
Krebelshof                  Heinrich Hilden         18.000 /                       Franz Wilhelm Lützeler /
mit 34,5 ha                                                     St. Kunibert                31.08.1807 (15.09.1807)

                      

Schlussbetrachtung
Die Säkularisation war kein revolutionärer Akt mit dem Ziel einer sozialen Umverteilung des Grund- und Immobilienbesitzes von oben nach unten. Ihre Ziele waren die Zerschlagung der politischen Macht der Kirche und die Sanierung der Staatsfinanzen - eine Maßnahme, die seitens der französischen Verwaltung effizient umgesetzt wurde. Der Übergang des Vermögens von den geistlichen Institutionen auf den Staat hatte zur Folge, dass die Kirche als Almosenspenderin, Krankenpflegerin, Erzieherin und Kreditgeberin, Verpächterin bzw. Vermieterin nur noch in sehr begrenztem Umfang tätig bleiben konnte. An die Stelle der katholischen Einrichtungen traten andere Kreditgeber, Verpächter und Vermieter, bei denen nicht der Fürsorgegedanke Leitidee des Handelns war, sondern das wirtschaftliche Eigeninteresse. Viele Makler und Spekulanten bereicherten sich aufgrund des Versteigerungsverfahrens. Erst bei den Wiederverkäufen konnten einige ehemalige Pächter zumindest Teile des von ihnen bewirtschafteten Bodens käuflich erwerben. Dadurch und mit der parallel zur Säkularisation erfolgten Gleichstellung der Gläubigen unterschiedlicher Religionsgemeinschaften setzte sich im Rheinland eine neue Wirtschaftsgesinnung durch, die zu einer schnelleren Entwicklung der Wirtschaft im linksrheinischen Deutschland führte.

Die Einführung der Zivilstandsregister und der systematischen Volkszählungen sowie die Säkularisation sind nur ausgewählte Beispiele einer umfassenden Modernisierung. Von nicht minder großer Bedeutung waren auch die Reformen im Polizei-, Justiz- und Steuerwesen oder bei der Regelung von Handel und Gewerbe sowie die Einführung einheitlicher Grundkataster oder die kartografische Landesaufnahme durch Tranchot. Nicht vergessen darf, dass den Protestanten das Bürgerrecht und den Juden die Erlaubnis zur Rückkehr in die Stadt Köln zugestanden wurde. Die Annahme, dass es vorwiegend Protestanten und Juden waren, die die säkularisierten Grundgüter erwarben, ist nicht bekräftigt worden.

                       

Literaturquellen
Aloys Schulte: „Tausend Jahre deutscher Geschichte und deutscher Kultur am Rhein“, Düsseldorf 1925
Thomas Nipperdey: „Deutsche Geschichte 1800 - 1866“, München 1968
Richard Büttner: „Die Säkularisation der Kölner geistlichen Institutionen“, Köln 1971
Wolfgang Schieder: „Säkularisation und Mediatisierung in den vier rheinischen Departements 1803 - 1813“, Boppard / Rhein 1991

Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2018 (2017) des “Kreisheimatbund Neuss e.V.“
Erläuterungen sind rot markiert und kursiv gesetzt.

Abbildungsnachweise
de.wikipedia.org › wiki › Code_civil

www.geschichte-abitur.de › uebersicht-napoleonische-zeit

aus privater Sammlung

Bericht: Manfred Schmidt

heimatarchiv-worringen.de/September 2021

Wussten Sie schon … ?

Als Worringen in Frankreich lag - Umbrüche und Reformen in napoleonischer Zeit (Teil I)

Am 9. März 1801 wurde das sog. Roer-Departement dem französischen Reich einverleibt, die Amtssprache war französisch und die Worringer waren auf einmal Franzosen.                                               Fotos zum Vergrößern!

Die „Herrlichkeit Worringen“ gehörte seit 1151 bis zu den territorialen Neuordnungen in Auswirkung der „Französischen Revolution“ im Jahre 1789 zum Kurfürstentum (Erzstift) Köln. Mit dem Einmarsch der Franzosen und der Kriegserklärung der deutschen Reichstruppen, Preußen und Österreichern war das Kurfürstentum bereits ab 1757 ständig Durchzugsgebiet mit massiven Belastungen für die Bevölkerung. Die häufigen Truppenbewegungen verursachten zwangsweise viele Einquartierungen, Vorspanndienste und Plünderungen, worunter auch der Ort Worringen sehr zu leiden hatte. Dieses schlug sich insbesondere in Anträgen auf Pachtminderung, Steuerstundung oder Kredite nieder, hervorgerufen durch mannigfaltige Kriegssteuern. Die Requisitionen wurden von den Franzosen überwiegend mit Papiergeld - den sog. Assignaten – bezahlt, die sich später häufig als wertlos erwiesen.


                                        


Als die Franzosen Anfang Oktober 1794 das „Rheinland“ (Neuss, Köln und Bonn) besetzten und die Parolen „Liberté, Egalité, Fraternité“ (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) verbreiteten, war den Bürgern noch nicht bewusst, welche Umwälzungen diese in ihrem täglichen Leben herbeiführen würden. Mit dem Frieden von Lunéville im Jahre 1801 wurde formell der Besatzungsstatus beendet. Die Rheinlande waren von nun an französisches Staatsgebiet, zunächst in der Republik (1799 - 1804) und anschließend im Kaiserreich (1804 - 1815) unter Napoleon Bonaparte.
Nachdem der Revolutionsgeneral Jean-Baptiste Jourdan die Österreicher 1794 bei Köln über den Rhein zurückgeworfen hatte, wehte auch bald in Worringen auf dem Markt am Freiheitsbaum die Trikolore. Der sog. Freiheitsbaum, mit bunten Fahnen behängt und von einer Jakobinermütze gekrönt, wurde auch in Worringen als revolutionäres Symbol der Freiheit gepflanzt.
Die Bewohner sollten jedoch sehr schnell erfahren, wie berechtigt das Sprichwort war: „Unterm Krummstab ist gut wohnen“. Unter der Trikolore begann eine Zeit der Drangsale für die heimische Bevölkerung. Die Übertragung der Heereskosten auf die besetzten Gebiete erzeugte ein System schamloser Ausbeutung, das die Bewohner wirtschaftlich niederdrückte. Nicht nur die tatsächlich vorhandene Bedürfnisse des Militärs wurden durch die Ausschreibung hoher Kontributionen gedeckt, daneben ließen es sich auch noch die Generale und Kommissare der Republik angebracht sein, ihre eigenen Taschen auf Kosten der wehrlosen Bürger und Bauern zu füllen. Diese Ausbeutung verstellte daher oft sehr schnell den Blick auf die umfassenden positiven Veränderungen, die der rückständigen und bis dahin in viele Kleinterritorien zersplitterten Region letztendlich den Weg in die Moderne öffnete, so dass die rheinischen Gebiete nach 1815 „sozial gesehen dem restlichen Deutschland weit voraus“ waren (nach Beurteilung des deutschen Historikers und Hochschullehrers Thomas Nipperdey).


                                                                            


Anfang September 1804 brach Napoleon mit Abteilungen der Garde, Gendarmen und Generälen von Aachen auf (das kurze Zeit einen der bedeutendsten Revolutionsführer, Georges Danton, in seinen Mauern gesehen hatte), um persönlich u. a. die Rheinregulierung zwischen Dormagen und Worringen zu inspizieren. Am 13. September kam er auch durch die Orte Worringen und Fühlingen.
Joan Peter Delhoven aus Dormagen (1766 - 1824) - Landwirt, stellvertretender Küster, Handelsmann und Chronist - hat in seinen Aufzeichnungen „Die Rheinische Dorfchronik“ folgendes vermerkt: „1804, 9. September - … Als der Kayser am Rhein die Krippen-Arbeit sah, stieg er aus dem Wagen, schickte einen Mameluk (französische Kaisergarde Napoleons), der den Maier von Dormagen zurück rief, mit dem der Kayser sich lange unterhielt; er fragte, wo das Holz hergenommen würde, ob die Enteprenneurs (Gründer und Inhaber von Unternehmen) ihre Schuldigkeit thäten, ob die Arbeit gut wäre, und lange dauern könnte, welche Arten von Frucht hier gezogen würden. Auch stand beym Vorbeifahren der Pfarrer (Math. Franz Jos. Aloys Desant, verst. 5. April 1827) mit 2 Vicaren am Eingang des Kirchhofes (St. Pankratius an der Alte Neusser Landstraße) und reichten unter dem Geläute der Glocken und Lösung der Böller dem Kayser das Weihwasser. Des Abends und die folgende Nacht war Ball im Posthause.“ Es wird Napoleon nachgesagt, er sei im Gasthaus Fühlingen (der Gasthof stammt aus dem Jahr 1752) an der Neusser Landstraße eingekehrt.
                                                                             

Staatliche und kommunale Verwaltung

Spuren der französischen Zeit finden sich nicht nur im Landschaftsbild, sondern auch in der Verwaltung. Am 23. Januar 1798 begann die Durchführung einer umfangreichen Verwaltungsreform, die die bisherigen Verwaltungsreformen im Rheinland derart tiefgreifend revolutionierte, dass an eine Rücknahme dieser Reform nach Ende der französischen Herrschaft 1814 nicht zu denken war. An diesem Tag wurden aus 150 verschiedenen Herrschaften auf dem linken Rheinufer ohne Rücksichtnahme auf historische Grenzen nach französischem Vorbild vier Departements gebildet. Das Kölner Gebiet kam zum Roer-Departement, Worringen wurde eine französische „Mairie“ (Bürgermeisterei) und gehörte zum Kanton Dormagen sowie Arrondissement de Cologne (Verwaltungsbezirk Köln). Mit der Bürgermeisterei gab es nur noch einen Gemeindetyp. An der Spitze der Bürgermeisterei stand ein Bürgermeister - der Maire, der vom Präfekten des jeweiligen Departements ernannt wurde. Der Bürgermeister war bei der unmittelbaren Staatsverwaltung vom Präfekten abhängig, in Fragen der kommunalen Selbstverwaltung jedoch unabhängig. Der „Maire“ erhielt vom Staat kein Gehalt, sondern bekleidete sein Amt ehrenamtlich.
                                                                     
 
Eine Urkunde aus dem Jahr 1808 besagt, dass Franz Adam Cremerius (geb. 6. Mai 1764, verst. 20. September 1832), Besitzer des Pilgramshofs und Bergerhofs, erster Bürgermeister von Worringen war ab 1797 bis 1832, zunächst unter französischer, ab 1815 unter preußischer Herrschaft. Er gehörte offenbar zu den wirtschaftlich kräftigen Bürgern, den sog. Notabeln. Sie zahlten freilich die Steuern, aber diese Pflicht brachte ihnen jedoch manche Rechte. Sie durften sich als die Repräsentanten des Volkes betrachten und saßen in den Distrikts- oder Gemeinderäten. Sie waren es vor allem, die dem napoleonischen Verwaltungssystem folgten und dadurch begünstigt wurden. Die Bürgermeisterei Worringen umfasste neben Worringen die Orte Roggendorf, Thenhoven, Fühlingen, Weiler, Langel, Rheinkassel und Merkenich und hatte zu dieser Zeit ca. 1.200 Einwohner.

                                                                              


Zivilstandsregister

Eine seitdem im staatlichen Auftrag stehende Verwaltungsaufgabe der Kommune ist die Führung der Zivilstandsregister, der heutigen Personenstandsregister im Standesamt.

Die französische Verfassung vom 3. September 1791 hatte den Grundsatz aufgestellt, dass die Ehe vor dem Gesetz nur als bürgerlicher Vertrag zwischen Mann und Frau zu gelten habe. So wurde 1798 nicht nur die Zivilehe eingeführt, auch die einheitlichen Beurkundungen der Geburten, Heiraten und Sterbefälle aller Bewohner des Landes durch öffentliche Amtsträger. Seitdem wurden in jeder Bürgermeisterei pro Jahr je ein Geburten-, ein Heirats- und ein Sterbebuch geführt. Das französische Zivilstandwesen ist der Ursprung des staatlichen Personenstandwesens, der heutigen Standesämter. Dieses Prinzip der Registerführung existiert noch heute.

Der zweite Teil der Ausführungen folgt in Kürze.


Literaturquellen
Aloys Schulte: „Tausend Jahre deutscher Geschichte und deutscher Kultur am Rhein“, Düsseldorf 1925
Thomas Nipperdey: „Deutsche Geschichte 1800 - 1866“, München 1968
Richard Büttner: „Die Säkularisation der Kölner geistlichen Institutionen“, Köln 1971
Wolfgang Schieder: „Säkularisation und Mediatisierung in den vier rheinischen Departements 1803 - 1813“, Boppard / Rhein 1991

Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2018 (2017) des “Kreisheimatbund Neuss e.V.“
Erläuterungen sind rot markiert und kursiv gesetzt.
Abbildungsnachweise
de.wikipedia.org › wiki › Code_civil
de.wikipedia.org › wiki › Liste_derBaudenkmäler im Kölner Stadtteil Fühlingen

www.geschichte-abitur.de › uebersicht-napoleonische-zeit
aus privater Sammlung

Bericht: Manfred Schmidt

heimatarchiv-worringen.de/Juli 2021

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