Was stand im August 1975 über Worringen im „Fips“ ?

Im Fundus des Heimatarchivs befinden sich – auch für unsere Besucher zugänglich – mehrere nach Jahreszahlen gebundene Ausgaben „Rheinischer Anzeiger, Heimatzeitung für Köln-Worringen – Dormagen – Zons – Nievenheim und Umgebung.“ Hier eine Auswahl (Abschrift) aus dem Monat August 1975.

  • Besonderen Grund zur Freude hatte das Jugendzentrum Krebelshof, denn die Worringer Erdölchemie stiftete dieser Organisation ganze 2.000 Mark. Aufgrund der noch nicht bearbeiteten Anschaffungsliste des Zentrums sprang die EC kurzer Hand in die Bresche und so konnten Tischtennisplatten, ein Volleyball-Spiel, ein Badminton-Spiel, ein Crocket-Spiel, mehrere Fuß-und Handbälle sowie neue Trikots für die Fußballgruppe angeschafft werden.
  • Für das gesamte VW-+Audi-NSU Programm sucht Odendahl & Heise KFZ Monteure und Verkäufer. Wir bieten ein außergewöhnliches Einkommen.
  • Weitere Saisonvorbereitungsspiele konnten die Worringen Fußballer für sich erfolgreich gestalten. Dabei wurde Rosellen mit 4:1 durch Tore von Helm, Kunkemöller, Behrling und Töller besiegt, Böcklemünd mit 2:1 durch Tore von Töller und Theraud. Die Worringer Zweitvertretung schlug Bocklemünd durch 5 Tore von Berni Behrling, 2 Treffer von Heinrich Behrling und 1 Tor von Esser mit 8:0.
  • Paul Diefenbach, Studiendirektor aus Köln-Worringen, wird zusammen mit insgesamt neun Ordinanden aus dem Erzbistum Köln nach dreijähriger berufsbegleitender Ausbildung in der Klosterbasilika Knechtsteden zum Diakon geweiht.
  • Der Worringer Posaunenchor probt donnerstags im Jugendheim an der Hackenbroicher Straße.
  • Einen Volkssporttag bereitet die Sportgemeinschaft Erdölchemie/Bayer Worringen vor. Und zwar sollen am Erntedanktag die Trimm-Dich-Freunde zwei Möglichkeiten ausprobieren können: Sie können von der Bezirkssportanlage aus an einem Volksradfahren über 20 Km teilnehmen oder aber sich beim Volkswandern über eine 10 km Parcours beteiligen.
  • Die Renten für September werden im Postamt Worringen am 1. September von 9 bis 12 Uhr ausgezahlt.
  • Der Worringer Radsport, der mit seinen Nachwuchsfahrern schon sehr schöne Erfolge erzielt hat, konnte seine Nachwuchsarbeit auf den Deutschen Meisterschaften bei den Schülerinnen krönen. Gabi Schmitz errang durch kämpferischen Einsatz und bravouröse Fahrweise einen hervorragenden 4. Platz.
  • Die Betriebsleitung der Brohltalbahn Worringen, Neusser  Landstraße 303 hält im Unterrichtsraum der Kölner Verkehrsbetriebe eine Versammlung ab, Interessenten sind willkommen.

Erstellt:   Horst Winter – Heimatarchiv Worringen e.V.

Wussten Sie schon … ?

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                                                                                Historischer Rückblick des Orts Worringen
                                                                            Geschichtsfälschungen: Irrtümer und Legenden

Es erfolgt immer wieder, dass Archäologen, Historiker und Geschichtsschreiber vermeintlich bahnbrechende Entdeckungen machen, verloren geglaubte Artefakte gefunden werden oder historisches Wissen angepasst wird. Nicht immer sind diese auch wirklich authentisch. Worringen hat bekanntermaßen eine bewegte Vergangenheit durchlebt. Dessen ungeachtet ist die Geschichte des Orts aus der Antike und frühmittelalterlichen Epoche auf der Grundlage von neuzeitlichen Erkenntnissen der diversen archäologischen Ausgrabungen und wissenschaftlichen Prähistorie vor allem der letzten Jahrzehnte zu reformieren.

                                             
 

Kastelle am niedergermanischen Limes, Worringen zwischen Neuss und Köln?
Ausgrabungen belegen ab der Bronze- und Eisenzeit eine stetige Anwesenheit der urgeschichtlichen Einwanderer, wie etwa 500 v. Chr. die Besiedlung durch keltische Eburonen in unserer Gegend. Um Christi Geburt sind erste Aktivitäten der Römer auf der Niederterrasse des Rheinverlaufs zu verzeichnen. Die Namenszuordnung des Orts nach „Buruncum, auch Burungum oder Boruncum“, verursachte in der Vergangenheit immer wieder einen Expertenstreit. Dank einer erheblich verbesserten archäologischen Quellenlage scheint es unstreitig widerlegt zu sein, dass Worringen mit dem sog. römischen Kleinkastell „Buruncum“ gleichzustellen ist. „Buruncum“ wurde den schriftlichen Quellen zufolge 70 n. Chr. gegründet. Die Verknüpfung des Kastellnamens „Buruncum“ mit Worringen erfolgte vor allem aufgrund der Ergebnisse der etymologischen Namensforschung, die den mittelalterlichen Ortsnamen Worunc bzw. Worunch vom römischen „Buruncum“ ableitete. Diese namenkundlichen Zuweisungen halten den neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen jedoch nicht stand.

 
                                                       

Die Existenz römischer Gutshöfe ist archäologisch zweifelsfrei nachgewiesen und auf dem Grundstück der St.-Pankratius-Kirche an der „Alte Neusser Landstraße“ stieß man u. a. auf ein mächtiges römisches Gussmauerwerk, ein monumentales etruskisches Kapitell, einen Grabstein und Säulenfragmente. Der Standort war erkennbar als eine Kultstätte, jedoch ein Kleinkastell „Buruncum“ wurde in Worringen historisch nicht nachgewiesen. Grundrisse einer antiken Militärarchitektur durch den Einsatz von Luftbildarchäologie und geophysikalischen Prospektionsmethoden kamen nicht zum Vorschein. Es wird vermutet, dass sich hier evtl. ein römisches Legions- und Hilfstruppenkastell (castella) befand mit einer geringen militärischen Belegung.

                                                                                             
 

Nach dem „Itinerarium provinciarum Antonini Augusti“ (Verzeichnis der wichtigsten römischen Reichsstraßen, das auch römische Niederlassungen angibt) befand sich „Buruncum“ an der Heerstraße von Colonia Claudia Ara Agrippinensium - CCAA (Köln) nach Colonia Ulpia Traiana (Xanten) zwischen Novaesium (Neuss) und Dornomagus (Dormagen). Denkbar wäre indessen eine Verbindung des heutigen „Haus Bürgel“ (erst seit 1373/74 auf der Monheimer Seite des Rheins) mit dem Kleinkastell „Buruncum“. Hierzu gibt es bereits seit dem 19. Jahrhundert längliche Diskussionen zur Lokalisierung. Die moderne Namensforschung nimmt stark an, dass „Buruncum“ nach Lage, Namen und Altertümern das jetzige „Haus Bürgel“ ist. In einer Publizierung „Die Deutung alter Ortsnamen am Mittel- und Niederrhein“ von 1870 heißt es längst: „Der Name des röm. „Buruncum“ ist nicht von dem Grundwort „Bur“ = Häuschen, sondern von „Buruc, Puruc“ = Burg abzuleiten. Unter Berücksichtigung vielfältiger Argumente ist das „Haus Bürgel“ (präsentiert sich heute als neuzeitlicher Vierkantgutshof) mithin dem althochdeutschen „Burgila-Castrum“ zuzuordnen. Gegner dieser Meinung haben auch nichts Sicheres an der Hand, da für die Standorte nördlich oder südlich von Worringen faktisch nirgends archäologische Zeugnisse oder verlässliche Quellen für das Vorhandensein römischer Militärgeschichte existieren.

                                               

Namensgebung des heutigen Orts Worringen in römischer Zeit
Bemerkenswert ist ein unbeschädigter Steinfund in der Umgebung des Parallelwegs (Bergerhof, Krebelshof). Die Inschrift enthielt den Namen der Bewohner des hiesigen Ortes: „IN . H : D . D : // DEAE : REGINAE . // VICANI . SE. GORIGENSES“ (In honorem domus divinae // Deae Reginae // vicani Segorigenses. - Der Göttin und Königin // die Bewohner des Orts Segorigenses).
Die keltischen Siedlungsnamen wurden von den Römern, welche von 15 v. Chr. bis ca. 500 n. Chr. in unserem Raum lebten, signifikant übernommen und latinisiert. Der Ort Segorigum ist eine sog. Kompositionsbildung (verschiedene Grundwörter) aus „seg, sego, segho, sigis“ = Stärke, Kampf, Kraft, Sieg sowie „rigion, rigium, rigum“ = Reich, Herrschaft. Archäologen und Historiker vertreten nach neuzeitlicher Beurteilung nachdrücklich die Auffassung, dass der vicus Segorigensis das heutige Worringen darstellt, welches zudem die keltischen Wurzeln des Wortlauts und die Nachweisung, wie aus Segorigum Worringen entstand, deutlich zeigt. Schon früh haben die Römer hier nachweisbare Anwesen (wie Gutshöfe - villae rusticae) errichtet. Der Fundort enthüllt durch den Inhalt der Schrift seine Gewissheit, dass Segorigum, Segorigus den heutigen Ort Worringen dokumentiert. Exakt beweisen kann man dies allerdings nicht, weshalb es sich bei dieser Annahme wiederum um eine hohe Wahrscheinlichkeit handelt. Festzuhalten ist jedoch, dass das römische Straßenwesen nicht isoliert betrachtet werden kann. So hat der Ausbau von Straßen oft in Kombination mit Koloniegründungen stattgefunden.

Beurkundung Worringens
Das spätantike und frühmittelalterliche Worringen findet in der schriftlichen Überlieferung keine Erwähnung. In einer Urkunde vom 11. August 922 (in lateinischer Schrift) des Kölner Erzbischofs Hermann I. von Bliesgau (889 bis 924, * um 870, + 11. April 924) wird bekundet, dass er den Konventualinnen des von den Ungarn zerstörten Stifts Gerresheim auf deren Bitten die Stiftskirche zu den 11.000 Jungfrauen vor den Mauern Kölns zugewiesen hat, nimmt sie in seinen Schutz, gesteht ihnen das freie Wahlrecht zu und bestätigt u.a. den Besitz der „Edila in Vuurne mansum dimidium“ (die Auslegung „Edila eine halbe Manse in Worringen“ ist eine spätere Deklination).
Urkundenstudien hierzu ergaben, dass die Urkunde kein Original ist. Sie enthält als verfälschende Nachzeichnung aus dem letzten Viertel des 11. Jahrhunderts echte und gefälschte Bestandteile, wobei die echten auf Vorlagen aus der 1. Hälfte des 10. Jahrhunderts zurückgehen. Außerdem wird die beigefügte Liste von Schenkungen in Ansätzen angezweifelt. So hatte der an dieser Urkunde tätige Bearbeiter aus dem Gedächtnis formuliert, wobei es zu Vereinfachungen und Ungenauigkeiten kam. Die atypische Schreibweise „Vuurne“, die in der Ortsnamensforschung keine entsprechende Analogie findet, geht dem Anschein nach auf eine fehlerhafte Abschrift der Urkunde zurück.

                                                                           

Worringen wurde erwiesenermaßen erstmals im 12. Jahrhundert beurkundet. In „Regesten“ (Zusammenstellung von Urkundenauszügen) wird die Übertragung der Worringer Vogtei des Grafen Gerhard IV. von Jülich nach seinem Tod an den Kölner Erzbischof Arnold I. von Merxheim (1138 bis 1151) auf das Jahr 1143 datiert. Mit einer Urkunde Kaiser Friedrich I. Barbarossa (* um 1123, + 1190) vom 14. Juni 1153 bekräftigt dieser auf der Reichsversammlung zu Worms, dass der Kölner Erzbischof Arnold II. von Wied (1151 bis 1156) noch als Domprobst (1127 bis 1151) von Erzbischof Arnold I. die „villa Worunch“ für 100 Mark erworben habe.


Literaturquellen
Dr. Johann Wilhelm Christian Steiner: „Codex Inscriptionum romanarum - Rheni“, Darmstadt 1837

Dr. Anton Hermann Rein: „Die römischen Stationsorte zwischen Colonia Agrippina und Burginatium“, Crefeld 1858,

veröffentlicht in „Neue Jahrbücher für Philologie und Pädagogik“

Almanach für den Kreis Neuss 1980

Michael Rathmann: Die Reichsstraßen der Germania Inferior“, Bonner Jahrbuch, Band 204, 2004
Prof. Dr. Marcus Trier: „Zur frühmittelalterlichen Topografie von Worringen, Stadt Köln“, Berlin - Kölner Jahrbuch, 40. Band, 2007 (Direktor des Römisch-Germanischen Museums und der Archäologischen Bodendenkmalpflege der Stadt Köln)
Jahrbücher für den Rhein-Kreis Neuss 2001 (2000) und 2015 (2014) des „Kreisheimatbund Neuss e.V.“
„Antike geographische Namen nördlich der Alpen“, Gerhard Rasch, Berlin 2012
Dr. Karl-Heinz Hennen: „Geschichte der Stadt Monheim am Rhein“, Monheim 2016
Hochschulbibliothekszentrum des Landes NRW - „Köln, St. Ursula“, Rhein. Urkundenbuch Bd. 2 / 317 (verfälscht)
Jost Auler: „Dormagen in der Römerzeit“, Stadt Dormagen und Geschichtsverein Dormagen e.V. in Zusammenarbeit mit dem Archiv im Rhein-Kreis Neuss in Zons, Archivleiter Dr. Stephen Schröder, Dormagen 2021

Abbildungsnachweise
https://de.wikipedia.org/wiki/Niedergermanischer_Limes
https://haus-buergel.monheim.de/roemisches-museum/
Historisches Archiv der Stadt Köln (HAStK)
Jost Auler, Dormagen in der Römerzeit
Steve Bödecker, Sebastian Held, LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland
Sonderveröffentlichung Kölner Stadtanzeiger und Kölnische Rundschau vom 28. April 2022

aus privater Sammlung

Bericht: Manfred Schmidt
heimatarchiv-worringen.de/Juni 2022


100 Jahre Eingemeindung von Worringen nach Köln Ortsführung des Heimatarchiv-Teams begeisterte Teilnehmer

Es war eine der unzähligen Ortsführungen, die das Team des Heimatarchivs in den vergangenen Jahren durchgeführt hat und nach langer Coronapause hatten Jupp Heinz und Paul Junker wieder richtig Spaß daran, einer Gruppe interessierter Bürger die historischen Begebenheiten der Eingemeindung von Worringen nach Köln vor genau 100 Jahren näher zu bringen.

Rund 40 Teilnehmer fanden sich in der „Herrlichkeit von Worringen“, so der historische Name des Fronhofs, ein und lauschten zunächst den Einführungen von Jupp Heinz und Paul Junker, die wie so oft natürlich in „dr Muttersproch“, also auf Kölsch-Platt vermittelt wurden.

Gekonnt und mit viel Witz erzählten sie über historische Begebenheiten, wie die Entstehung der Ortsbereiche wie „de Hött“ oder „de Taatsch“, oder über den Einfluss der katholischen Kirche im Ort, der seinerzeit mehr als die Hälfte des Worringer Grundbesitzes gehörte. Erst durch den Einfluss der Franzosen, änderten sich die viele Besitzstände im Ort und die Bauern und Bevölkerung wurden selbstständiger. Unzählige kurzweilige Anekdoten aus vergangenen Zeiten begeisterten die Zuhörer und nach einem kurzen Spaziergang, vorbei an Sankt Pankratius und den Gutshöfen im Ortskern, endete die Führung am ehemaligen Worringer Rathaus in der Sankt-Tönnis-Straße 85.

Hier wurde dann über Einzelheiten der Entstehung der Eingemeindungsgedanken seitens der Bürgermeister Seul (Worringen) und Dr.Adenauer (Köln) vermittelt.

In historischer Kleidung und viel Humor gelangen Jupp Heinz und Paul Junker, die in die Rollen der damaligen Bürgermeister schlüpften, ein Dialog, wie er vor 100 Jahren hätte stattgefunden haben können. Hierbei spiegelte Paul Junker gekonnt die Schlitzohrigkeit des damaligen Kölner Oberbürgermeisters, Dr. Konrad Adenauer, wider und am Ende des Dialoges wusste man, dass auch der Worringer Bürgermeister Seul schlitzohrig genug war, von der Eingemeindung nach Köln auch privat zu profitieren. Die vielen Versprechungen von damals und das was dann davon übrig blieb, war nicht allen Zuhörern bekannt und so wurde nicht nur gelacht, sondern oft auch ungläubig gestaunt. Es war so nach rund 1 ½ Stunden eine sehr gelungene Veranstaltung und die 40 Zuhörer verabschiedeten sich mit viel Beifall beim Team des Heimatarchivs.

Somit endete eine der zahlreichen Ortsführungen, die immer wieder begeisterte Zuhörer finden.

Der 14-seitige Flyer zum Thema „Wie die Worringer Kölner Bürger wurden“ ist weiterhin für lediglich 3,- € an den bekannten Verkaufsstellen und im Heimatarchiv erhältlich.

 

 

Text und Foto: Jakob Mildenberg

Worringer Heimatarchiv zu Gast im „Historischen Archiv“

Heimatarchivmitarbeiter statten Gegenbesuch in Köln ab

                                                                                                                                             

Im September 2019 war im Worringer Heimatarchiv eine achtköpfige Delegation des Historischen Kölner Stadtarchivs unter der Leitung des Stellvertretenden Archivleiters, Dr. Ulrich Fischer zu Gast.

Zu diesem Zeitpunkt war, nach dem Einsturz des Archivs im März 2009, der Neubau des Historischen Kölner Stadtarchivs noch im Bau. Mittlerweile ist der Neubau am Eifelwall/Luxemburger Straße seit Juni 2021 fertig gestellt und der 2019 versprochene Gegenbesuch konnte am 05. Mai auf Einladung von Archivmitarbeiterin Konstanze Klein vollzogen werden.

Die 14-köpfige Worringer Delegation, angeführt vom Vorsitzenden Jupp Heinz, wurde ca. 1,5 Stunden durch Teilbereiche des Gebäudes geführt und von Konstanze Klein über den Einsturz von 2009 und dem langen Weg bis zum Neubau 2021 ausführlich informiert. In den letzten zwölf Jahren wurden rund 90 Mio. € alleine in den Neubau am Eifelwall investiert, wobei die Folgekosten, vor allem personalbedingt, um ein Vielfaches höher liegen. Waren im alten Stadtarchiv noch 35 Personen beschäftigt, hiervon lediglich ein (1) Restaurator, so beherbergt das imposante Gebäude heute 190 Mitarbeiter, von denen 35 als Restauratoren dauerhaft und langfristig beschäftigt sind.

Die Besichtigung eines Arbeitsplatzes der Restauratoren und die zugehörigen Informationen, waren sehr aufschlussreich und gaben einen interessanten Einblick in die Arbeit derer, die sich mit zerstörten Dokumenten, Büchern etc. über viele Jahre beschäftigen müssen. Unter Berücksichtigung von Raumtemperatur, Raumfeuchtigkeit und in Coronazeiten jeder Arbeitsplatz abgeschirmt vom nächsten Kollegen, wird hier eine Arbeit geleistet, die den Mitarbeitern viel Präzision und konzentrierte Arbeit abverlangt, und das über einen Zeitraum, der jetzt noch nicht wirklich bestimmt werden kann.

Leider durfte in diesen Räumen, wie in den meisten Räumen des Gebäudes nicht fotografiert werden. Besonders Fotos aus diesen Bereichen wären interessant gewesen, wie auch im Zentrum des Gebäudekomplexes, dem inneren Kubus, der sich über sieben Stockwerke erstreckt. Hier werden in sieben verschiedenen Klimazonen von minus 22 Grad Celsius bis plus 24 Grad Celsius gut abgeschirmt und geschützt, die historischen Dokumente dauerhaft archiviert. Gut geschützt und abgeschirmt liegt dieser Teil des Archiv inmitten der restlichen Gebäudeteile, in denen gearbeitet wird oder auch denen, wie der Leseraum oder die Ausstellung, die für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Leseraum und Ausstellung können von Besuchern auf Anfrage besucht werden.

Gerne hätte die Worringer Delegation mehr gesehen, aber alleine die zahlreichen Informationen und die Dimensionen des Gebäudes haben ihre Wirkung gezeigt und die Mitarbeiter des Worringer Heimatarchivs beeindruckt. Sollte es das Worringer Archiv eines Tages nicht mehr geben, weiß man, dass die hiesigen Ausstellungstücke dann im Kölner Archiv in guten Händen sind. Hierüber wurden bereits rechtzeitig Gespräche geführt und dokumentiert, welche historischen und bedeutsamen Dinge aus Worringen dann für die Zukunft erhalten bleiben.
 Wer sich für das neue Kölner Archiv interessiert, kann das mit Hilfe der nachfolgenden Medien machen:


www.stadt-koeln.de/historisches-archiv , www.facebook.com/historischesarchivderstadtkoeln ,                                                                          

www.instagram.com/stadt.koeln , www.youtube.com/user/Koeln , www.twitter.com/Koeln

 

                                                                                                                                                       

Text und Fotos: Jakob Mildenberg

Wussten Sie schon … ?

 

 

Worringer Leinpfad (Treidelpfad) am Rheinufer

Treidler zogen Barken und Boote stromaufwärts

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Wegen Ausgleichsmaßnahmen zur Umsetzung des Leverkusener Brückenbaus wurde eine großflächige 31 ha umfassende Einzäunung der Rheinauen im Naturschutzbereich veranlasst, so dass der freie Zugang zum geschichtsträchtigen Worringer Leinpfad möglich, aber eingeschränkt ist.

Der nördliche Teil des alten Worringer Rheinarmes wurde zu einem Hafenbecken umgestaltet, zu dem bereits in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts von den Fabriken im Süden Dormagens Gleisanlagen hinführten. Das Hafenbecken selbst verlandete zunehmend und verlor seine wirtschaftliche Rolle. Noch 1872 querte hier der historische Leinpfad die Einmündung des „Pletschbach“ (im Volksmund Muttbach oder Pädsbach genannt). Der rund 7 m breite Treidelpfad, an dem die Schiffe an Tauen mit Pferden flussauf gezogen wurden, lief am Westufer eines Rheinarmes. Getreidelt wurde bis etwa Mitte des 19. Jahrhunderts, stellenweise auch noch länger, wurde jedoch mit der Dampfschifffahrt zunehmend überflüssig. Zum „Orth“, einer flachen Insel (jetzt Rheinwiese zwischen dem alten Hafen und dem Rheinufer), wurden Buhnen errichtet und zwangen den Rhein zur Sedimentationen. Deshalb entfernte sich der Leinpfad Richtung Worringen immer mehr vom heutigen Ufer.

       

Mancher Uferanlieger und Landwirt in Rheinnähe ergriff die Gelegenheit eines Nebenverdienstes, leistete als Pferdehändler den Treidlern Spanndienste. Für durstige Kundschaft richteten manche neben Pferdeställen auch Gastwirtschaften mit Übernachtungsmöglichkeiten ein, wo Treidler und Pferdeknechte am Abend Anker werfen, ausspannen und bei Kornbrand und Speisen sowie Futter für ihre Pferde Quartier nehmen konnten. An der Neusser Landstraße 391 und 396 befanden sich die Schankwirtschaften „Zur Wacht am Rhein“ (seit 1875, früher „Zur Rheinlust“) und   „Op der Ling“, nachher „An Libbede“ genannt. Die Bezeichnung „Libedde“ könnte einen Bezug zu Leihbetten für Treidler gewesen sein.
Das Treideln (von spät. lat. tragulare = schleppen) ist neben dem Segeln die älteste Transportmethode der Binnenschifffahrt. Auch auf dem Rhein gab es bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts Lastensegler, die sich aber nur in bestimmten Gegenden und auch nur stromabwärts von selbst bewegen konnten. Außerdem vermochten sich Schiffe mit nicht allzu hohem Gewicht auch mit der Strömung treiben lassen.

Viel weiter verbreitet war aber das
Treideln, seit dem 8. Jahrhundert historisch belegt. Dabei wurden die Lastkähne vom Ufer aus von Pferdegespannen gezogen. Überall, wo der Rhein schiffbar war, hatte man an einem oder beiden Ufern wo immer möglich sog. Leinpfade angelegt. Mehr oder weniger schmale Wege auf denen die Pferde - durch teilweise bis zu 2“ (= 5,08 cm) dicken Hanfseilen mit dem Lastkahn verbunden - die Schiffe zogen. Wenn der Wind zum Segeln nicht ausreichte, mussten sich Menschen und Zugtiere in Halfter und Schultergurt legen, am Ufer entlang auf Trampel- und Leinpfaden an langen Leinen Barken, Boote und Lastkähne gegen die Strömung flussauf ziehen, sozusagen treideln.

                      
     


Der Bau und Unterhalt der Treidelpfade sowie der Treideldienst waren überörtlich organisiert. Treidelknechte zogen an langen Seilen, die an einem Mast am Vorschiff befestigt waren (dem sog. „Treidelmast“), die Schiffe stromaufwärts oder führten ein Zugtier. Die Leinenreiter zogen die Seile von Pferden aus. Dafür saß der Reiter immer einseitig auf dem Pferd, um im Notfall schnell abspringen zu können. Treidelknechte und Leinenreiter führten immer ein scharfes Sichelblatt oder eine Axt bei sich, um die Treidelseile bei Gefahr kappen zu können. Versorgt wurden die Treidler und Pferde in den Treidelstationen. Diese gab es in regelmäßigen Abständen, an denen ein neues Team den Lastkahn übernahm, während sich Treidelknechte und Pferde auf den Weg zum Ausgangsort machten.

In unserer Gegend verliefen die Pfade immer an dem Ufer, an dem in der Regel ein Hafen lag. So waren die Treidelwege zwischen Koblenz und Neuss durchweg linksrheinisch, ab Düsseldorf dann vorwiegend rechtsrheinisch. Durchgehende Verbindungen gab es an und für sich nicht. So musste das Transportgut an unpassierbaren Stellen abgeladen, über Land transportiert und dann auf einen anderen Lastkahn umgeladen werden. Oft wurde das Umladen aber auch einfach durch das Fehlen von Leinpfaden erzwungen.

           
   

Der Leinpfad am Rhein führte um 1800 gegenüber Düsseldorf am linken Rheinufer vorbei. Bedingt durch die kleinen Inseln vor Neuss wurde für eine kleine Strecke auf die rechte Rheinseite gewechselt. Von Grimlinghausen an Stürzelberg vorbei bis zur Piwipp bei Dormagen-Rheinfeld wurden die Schiffe wieder linksrheinisch getreidelt. Dort wichen die Schiffe wegen des seichten Ufers auf die rechte Seite nach Monheim aus. Gegenüber von Hitdorf verlief der Leinpfad dann ungehindert bis Köln auf der linken Rheinseite. Von Amsterdam, dem wichtigsten Handelsplatz der Welt im 17. Jahrhundert, fuhren bis Anfang des 19. Jahrhunderts die breiten Beurtschiffe (Samoreusen) bis Köln. Diese Schiffe wurden von bis zu 30 Pferden gezogen. Eine solche Fahrt dauert je nach Windstärke 2 bis 6 Wochen. Auf diesen über Sand, Lehm und Geröll führenden „Einbahnstraßen“ konnte der Verkehr nur - wie im Gänsemarsch - in Abständen nacheinander erfolgen. Wie das Uferwechseln war auch ein Überholen anderer Lastkähne bei hochgehobenen bzw. tief ins Wasser gesenkten Zugleinen ein gefährliches, oft mit Unfällen verbundenes Manöver.

                                                                     
   

Das Treideln war eine harte Arbeit, besonders für die Pferde. Um ausreichend Kraft auszuüben, mussten diese jeweils leicht schräg und vom Wasser abgewandt ziehen, sodass die Tiere „nach und nach schief" wurden. Kaum ein Pferd war länger als 4 oder 5 Jahre zu gebrauchen. Aber auch für die Leinenreiter und Treidelknechte war das Treideln ein harter Job. Aber immer noch besser, als selbst die Lastkähne ziehen zu müssen. Und das mussten sie immer dann, wenn besonders schwere Lastkähne gegen die Strömung zu bewegen waren. Dann kamen manchmal mehrere Hilfskräfte zusammen, die den Transport mit Stangen und Ketten unterstützten und oft mit den Pferden zusammen an den Seilen zerrten. In einer kurzen Übergangszeit wurden an manchen Stellen des Rheins Dampfmaschinen mit Winden anstelle von Gespannen eingesetzt. Wo der Fluss wenige Biegungen machte, brachte man Ketten bis zum Lastkahn, befestigte sie am Bug und zog das Schiff dann mit Dampfkraft zu Berg. Als eiserne Schleppdampfer ab etwa 1850 immer mehr die Transporte auf dem Rhein übernahmen, mussten Treidler und Pferdeknechte den Verlust ihres Gewerbes befürchteten und um ihre Existenz bangen.

                                                                     
   

Die Treidelpfade lagen immer zwischen dem Ufer und dem Deich (sofern vorhanden). Die Nutzung des den ganzen schiffbaren Rhein begleitenden Leinpfades war Fuhrwerken und Viehtreibern gänzlich untersagt. Leider sind nur wenige Leinpfade am Rhein in unserer Region als solche erkennbar. Zwischen Zons und Stürzelberg kann man unterhalb der Deiche noch die alte Wegführung erkennen. Aber an den meisten Stellen sind die teilweise uralten Treidelwege schon bei den diversen Maßnahmen zur Begradigung des Rheins verschwunden. Ob ein Wander- oder Radweg Relikt eines alten Treidelpfads ist, erkennt man daran, dass er unmittelbar am Wasser und unterhalb von Dämmen und Deichen verläuft.

Literaturquellen
Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2004 (2003) des „Kreisheimatbund Neuss e.V.“
Hinweis- und Infotafel Zweckverband Kölner Randkanal (ZKR) 2012, Standort Köln-Worringen, Mündungspark Alter Hafen / Sperrwerk Randkanal

Rainer Bartel: „Treideln - die älteste Transportmethode auf dem Fluss“,
Rhein-Magazin Düsseldorf 2016

Abbildungsnachweise
http://www.erlebnispfad.com › erzaehlstationen / Erzählstation 22 - Wassererlebnispfad von Pulheim zum Rhein
https://de.wikipedia.org › wiki › Treideln
Heimatarchiv Worringen
aus privater Sammlung

Bericht: Manfred Schmidt
heimatarchiv-worringen.de/April 2022