Was stand im August 1964 über Worringen im „Fips“ ?

Im Fundus des Heimatarchivs befinden sich – auch für unsere Besucher zugänglich – mehrere nach Jahreszahlen gebundene Ausgaben „Rheinischer Anzeiger, Heimatzeitung für Köln-Worringen – Dormagen – Zons – Nievenheim und Umgebung.“ Hier eine Auswahl (Abschrift) aus dem Monat August 1964.

  • Durch das Verständnis unserer verehrten Kundschaft ist es uns auch in diesem Jahre möglich, uns für einige Wochen zu erholen. Wir machen deshalb vom 10.-31. August Betriebsferien: Johann Gieraths- Fisch-Feinkost, Mühlenweiher.
  • Herr Dr.med H.Wagelaar auf der St.Tönnisstraße sucht 1 Praxis-Anlernling und 1 perfekte Helferin.
  • Auf der Bürgerversammlung des Worringer Bürgervereins vor einigen Wochen sagte Oberstadtdirektor Dr. Adenauer den Anliegern des Holzheimer Weges die Verlegung einer Wasserleitung zu. Dies sollte innerhalb von 14 Tagen geschehen. Bis heute ist aber noch nicht begonnen worden. Die Brunnen einiger Häuser, die im künftigen Friedhofsbereich liegen sind versiegt und geben kaum noch Wasser. Das Wasser, das sich die Anlieger in Kübeln und Bottichen auf dem Friedhof holen, ist schon nach einem Tag schal und schmeckt nicht mehr. Es wäre angebracht, wenn die zuständigen stadtkölnischen Instanzen hier bald für Abhilfe sorgen.
  • Unter einer sehr großen Rattenplage haben die Anwohner des Brombeerweges zu leiden. Durch die in der Nähe liegenden Erdlöcher, in denen Schutt abgeladen wird, haben die Ratten dort einen wahren Tummelplatz, zumal auch Fleischabfälle hier abgeladen werden. Abhilfe ist dringend erforderlich.
  • Gute Arbeit für Ihr Geld, bei Foto-Günther Lierenfeld. Achtung Fotofreunde: Eröffne am Montag, dem 17 .August in Köln-Worringen, Hackenbroicher Str.133 eine Foto-Kopieranstalt mit Entwickeln, kopieren, vergrößern und Fotokopien.
  • Beim BV 27 Worringen steckt man noch mitten in der Vorbereitungsarbeit auf die Meisterschaft. Trotz schweren Bodens gelang den Zebras im Freundschaftsspiel in Hitdorf ein 1:2 Erfolg. Die Reservemannschaften kamen allerdings nicht zum Zuge, da der Sportplatz für diese Begegnung nicht freigegeben wurde. Beim zwei Klassen höher spielenden SV Nordstern unterlagen die Zebras allerdings mit 1:5. Im Heimspiel am Krebelspfad wurde der klassenhöhere SC Colonia durch Tore von Ernst Montag, Sprungalla und Brandt mit 3:1 bezwungen.
  • Auf Anregung der Worringer CDU wurde an der Ecke Hackhauser/Pannenacker Weg eine Fernsprechzelle eingerichtet, nachdem der westliche Teil des Ortes in den vergangenen Jahren zunehmend besiedelt worden ist. Ferner regte die CDU an, mehrere Kinder-und Jugendspielplätze einzurichten. Das Stadtplanungsamt habe den Auftrag erhalten, entsprechende Flächen auszuweisen. Stadtdirektor Berge gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass bereits im Rahmen des Ausbauprogramms 1965 entsprechende Maßnahmen getroffen werden.
  • Alle über 70 Jahre alten Bürger, die keine Einladung für das Altenfest im September erhalten haben, können sich bei Johann Conradi, St. Tönnisstr. 96 melden, damit sie noch berücksichtigt werden.
  • Apotheker Dr.rer.nat. Reinhold Bellers hat am Hackhauser Weg 61 die Albertus-Magnus-Apotheke eröffnet.

Erstellt:   Horst Winter – Heimatarchiv Worringen e.V.

 

Ein Wunder, dass die Alten noch leben!

 

Was die Menschen in ihrer Jugend doch alles durchgemacht haben.

Als Kinder saßen sie in Autos ohne Sicherheitsgurte und ohne Airbag. Ihre Kinderbetten waren bunt angemalt mit Farben, die aus Schwermetallen und schlimmen Lösungsmitteln zusammengesetzt waren. Türen und Schränke waren eine ständige Bedrohung für ihre kleinen Finger.

Die Hustensaft-Fläschchen aus der Apotheke konnten sie ohne Schwierigkeiten öffnen, denn sie hatten keinen Sicherheitsverschluss - ebenso wenig wie die Bleichmittel aus dem Supermarkt. Auf dem Fahrrad trugen sie nie einen Helm.
Sie tranken Wasser aus Wasserhähnen und nicht aus Flaschen.

Sie bauten Wagen aus Seifenkisten und entdeckten während der ersten Fahrt den Hang hinunter, dass sie die Bremsen vergessen hatten. Damit kamen sie nach einigen Unfällen trotzdem klar.

Sie verließen morgens das Haus zum Spielen, blieben den ganzen Tag weg und mussten erst zu Hause sein, wenn die Straßenlaternen angingen. Niemand wusste, wo sie in der Zwischenzeit waren, denn sie hatten kein Handy dabei!

Sie haben sich beim Spielen geschnitten, die Knie abgeschürft, die Knochen gebrochen oder Zähne verloren. Aber niemand wurde deswegen verklagt. Es waren eben ganz normale Unfälle. Es wurde kein Schuldiger gesucht, denn sie betrachteten sich einfach als selbst schuldig daran. Keiner fragte nach „Aufsichtspflicht", „Haftung" oder „Rechtsschutzversicherung".

Sie prügelten sich, kämpften und schlugen einander manchmal bunt und blau. Und sie vertrugen sich von selbst wieder ohne Gewaltvermeidungskonzepte und Streitschlichtungsprogramme.

Die Mädchen mussten sich ohne Koedukation und Selbstbehauptungskurse entwickeln; es gaben kein Frauenfußball und kein Frauenboxen.

Die Sonnenfinsternis betrachteten sie durch eine Glasscherbe, die sie mit Ruß geschwärzt hatten, und sie wurden nicht blind davon.

Sie aßen Kekse, Brot dick mit Butter bestrichen, tranken sehr viel und wurden trotzdem nicht dick.

Sie tranken mit ihren Freunden aus einer Flasche und niemand starb an den Folgen.

Wie armselig mussten sie ihre Freizeit gestalten; ohne 96 Fernsehkanäle, Playstation, Nintendo, X-Box, Videospiele, Videofilme, Surround Sound, eigene Fernseher, eigener Computer, CD-Brenner und Internet.

Aber sie hatten Freunde. Sie gingen einfach raus auf die Straße und trafen sie dort.
Oder sie marschierten einfach zu deren Wohnung und klingelten. Manchmal klingelten sie erst gar nicht und gingen einfach hinein. Ohne Terminabsprache und ohne Wissen der Eltern. Keiner begleitete sie hin und wieder zurück.

Sie redeten persönlich miteinander und mussten auf WhatsApp, SMS, Chat4rooms und E-Mails verzichten.

Ihre Telefongespräche konnte jeder mithören, weil sie keine eigenen Geräte besaßen. Sie mussten selbst spielen, selbst sprechen, selbst schreiben und selbst zuhören.

Überall mussten sie zu Fuß hingehen; zum Sportverein, zum Musikunterricht, zum Ballett, zum Reiten. Kein Elternauto brachte sie hin oder holte sie wieder ab.

Beim Straßenfußball durfte nur mitmachen, wer gut war. Wer nicht gut war, musste lernen, mit Enttäuschungen klarzukommen.

Wer frech war oder den Unterricht störte, bekam schon mal einen Klaps. Die Lehrer brauchten dafür keine Anzeige wegen Körperverletzung zu befürchten, sondern ernteten Zustimmung.

Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere. Sie rasselten durch eine Prüfung und wiederholten die Klasse. Das führte nicht zu Elternprotesten, Dienstaufsichtsbeschwerden oder gar zur Änderung der Leistungsbewertung.

Mangelhafte Leistungen wurden knallhart formuliert. "Die Rechtschreibeleistungen von Fritz sind ungenügend". Wie gerne hätten sie den heutigen Satz „Friedrich hat in differenzierenden Aufgabenstellungen im Rechtschreiben manchmal ausreichende Leistung erbracht“ gelesen.

Ihre Taten hatten Konsequenzen. Das war allen klar und keiner konnte sich verstecken. Wenn einer als Ladendieb erwischt wurde, gab es ein Verfahren. Die Eltern griffen nicht die Polizei an, sondern waren sogar ihrer Meinung. So etwas!

Im zarten Alter von 14 oder 15 mussten sie ihre Lehrstelle antreten. Sie nannten sich „Lehrlinge" und mussten mit der Tatsache „Lehrjahre sind keine Herrenjahre" überleben lernen.

 

Quelle: Heimatarchiv

Verfasser: unbekannt

Heimatarchiv sucht Worringer Ansichtskarten

Das Heimatarchiv ist ständig auf der Suche von Ansichtskarten und Sehenswürdigkeiten aus früheren Zeiten. Wer im Besitz dieser Utensilien ist und diese zur Archivierung zur Verfügung stellen möchte, bitte melden unter Telefon 0221-785678 oder per Mail an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

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