Was stand im Dezember 1975 über Worringen im „Fips“ ?

Im Fundus des Heimatarchivs befinden sich – auch für unsere Besucher zugänglich – mehrere nach Jahreszahlen gebundene Ausgaben „Rheinischer Anzeiger, Heimatzeitung für Köln-Worringen – Dormagen – Zons – Nievenheim und Umgebung.“ Hier eine Auswahl (Abschrift) aus dem Monat Dezember 1975.

  • Die Kolpingsfamilie konnte im Jugendheim anlässlich des traditionellen Kolping-Gedenktages das 50. Mitglied dieser Organisation in Worringen aufnehmen. Den vier neuen Mitgliedern, Franz Hubert Ackermann, Christoph Schumacher, Willi Schoel und Remigius Korbasinski wurden KF-Nadeln und Mitgliederbuch überreicht. Dass die „Goldzahl“ erreicht wurde, ging den Vorstandsmitgliedern erst am Ende der Veranstaltung auf, so dass bislang niemand sagen kann, wer von den vier neu aufgenommenen Kolpingsöhnen der „Goldjunge“ ist.
  • Das Zentral Theater zeigt Burt Lancaster, kaltblütig und verwegen und mit vollen Segeln in dem Seeräuber-Abenteuer „Der rote Korsar“.
  • Bei schneidender Kälte kamen doch etwa 400 Zuschauer ins Worringer „Bruchstadion“ um das Benefiz-Fußballspiel zugunsten des Krebelshofs zu sehen. Schirmherr Heinz Böggering konnte viel Ortsprominenz begrüßen, die Worringer Pfarrer wurden als Linienrichter eingesetzt und Karnevalsprinz Gustav Böhmer leitete das Spiel zwischen je einer Auswahl von CDU und SPD Vertretern. Leider schafften es die SPD-Spieler nicht, den Ball im gegnerischen Tor unter zu bringen und , verschossen gar einen Elfmeter und erhielten 3 Gegentreffer. So kämpften sich beide Teams eine Stunde lang über die Zeit, sichtlich engagiert, sichtlich der Kälte trotzend und immer auf Sportlichkeit bedacht. Dass das Spielergebnis zu politischen Apercus Anlass gab, versteht sich fast von selbst. Aber der eigentliche Zweck war ja nicht eine Selbstdarstellung sportlicher Fähigkeiten von Kommunalpolitikern, sondern Aktion um des Jugendzentrums willen. Am Ende der Veranstaltung konnte Eddy Telke 2.389,50 DM für den „Krebs“ verbuchen, erreicht durch Spenden, Eintrittsgeldern und Platzbewirtschaftung.
  • Bei der Zweitvertretung in Nippes 12 erspielten die Köhler-Schützlinge der SG EC Bayer Worringen einen schönen 3:1 Auswärtserfolg. Die Worringer Tore fielen durch Hilden, Theraud und „Berni“ Behrling.
  • Der CDU Ortsverband Worringen, der in den vergangenen 2 Jahren unter der Führung von Heribert Hellenbroich seine Mitgliederzahl um 12 auf 69 eingeschriebene Christdemokraten steigern konnte, hat einen neuen Vorsitzenden. Da sich Hellenbroich aus beruflichen Gründen, der Regierungsdirektor wechselt zum Staatsschutz, nicht mehr für ein Vorstandsamt zur Verfügung stellte, wählte die Versammlung im Hause Schlösser einen neuen Vorstand, dem Peter Paul Nesseler als Vorsitzender vorsteht.
  • Bei den Ausscheidungskämpfen um die Kölner Skat-Stadtmeisterschaft wurden Johann Schmitz und Peter Pullem aus Worringen mit der Mannschaft des Kölner Rundschau-Skatclubs mit 28626 Punkten Kölner Mannschafts-Stadtmeister. Sie wurden von Bürgermeister Dr. Jakobs im Kölner Kolpinghaus mit einer Silberschale und dem Mannschafts-Silberteller-Emblem ausgezeichnet.
  • Die Beiträge der Betriebskrankenkasse der Erdölchemie werden ab dem 1. Januar 1976 von gegenwärtig 8,8 auf 9,6 Prozent erhöht. Diesen Beschluss fasste die Vertreterversammlung der BKK. Von der Erhöhung hat der Versicherte 0,4 Prozent zu tragen. Angesichts der Beitragsbemessungsgrenze von 2325 DM beträgt diese Erhöhung also 9,30 DM.
  • In der Aula der Hauptschule am Holzheimer Weg findet das Altenfest der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung für alle Worringer Bürger ab dem 73. Lebensjahr statt.
  • Zum Weihnachtsfest kosten 3 Tafeln Novesia Goldnuss 2,00 DM, eine Flasche Mariacron 8,50 DM, 12 Sektkelche 6,95 DM, 500g Rinder-Rouladen 6,48 DM, Vademecum Zahncreme 0,98 DM, eine BIP Jeans 55,00DM und ein „Foxdale“ Puter je 500g 2,19 DM.

Erstellt:   Horst Winter – Heimatarchiv Worringen e.V.

Historische Fotos gesucht!

Im Fundus des Heimatarchivs befinden sich ca. 6.000 Fotografien und Ansichtskarten, die wertvolle Eindrücke aus unserer Ortsgeschichte vermitteln. Um diesen Bestand zu erweitern, sind wir auf der Suche nach alten Fotos, Ansichtskarten und Dokumenten.

Dieses Foto von 1939 wurde dem Heimatarchiv von Marlies Grochau, geb. Pesch, übermittelt. Es zeigt den Lindenbaum und das Wegekreuz an der Bitterstraße sowie das Elternhaus ihres Vaters Peter Pesch (*1915) auf der Hackenbroicher Straße Nr. 71.

                 

 

Die Geschichte zur Fotografie

Der Lindenbaum, im Volksmund als „Lengschesboom“ bezeichnet, wurde im Jahre 1553 erstmals unter der Bezeichnung “Lingche”erwähnt. Aufgrund massiver Sturmschäden musste das Worringer Wahrzeichen nach über 400 Jahren 1979 durch eine neue Linde ersetzt werden. Das 1780 errichtete Pilgramskreuz wurde ebenfalls beschädigt und bei der Neupflanzung restauriert. Die einst mächtige Linde war ein beliebter Treffpunkt für junge und alte Worringer. Verliebte trafen sich zum ersten „Date“, spätere Heirat nicht ausgeschlossen. Apropos: Älteren Bürgern wurde erzählt, der Klapperstorch würde die Neugeborenen aus dem „Lengchesboom“ ins Haus bringen. Das „Kirmesgeloog“, eine Vereinigung zur Pflege der Worringer Kirmes, initiierte dort mit dem im Baum postierten „Zacheies“ die Eröffnung und Beendigung der Kirmestage. Ein Fragment der alten Baumrinde befindet sich im Fundus des Heimatarchivs.

Bei der Hackenbroicher Straße handelt es sich um eine alte nach Hackenbroich führende Landverbindung, deren Ausbau im 18. Jahrhundert erfolgte.

Bis zur Eingemeindung nach Köln (1922) lautete die Straßenbezeichnung Mühlenweg (volkstümlich “Müllejaß”), weil sich oberhalb der jetzigen Alten Straße eine Windmühle (im Besitz des Domkapitels) befand. Diese wurde um 1450 errichtet, nach ihrem Verfall zwischen 1835 und 1839 durch einen Nachfolgebau ersetzt und nach einem Brand im Jahre 1876 gänzlich abgebrochen.

Das über mehrere Generationen von der Worringer Familie Pesch (Hackenbroicher Straße 71) benutzte Wohnhaus mit Gartenanlage wird als kleines Winkelanwesen in das Jahr 1898 datiert. Aufgrund eines Wohnungsbrands (2019) wurde das Gebäude abgebrochen. Auf dem Grundstück entstehen neue Wohneinheiten.

Heimatarchiv Worringen e.V.

November 2022

Quelle:

Broschüre Dagmar Hötzel - Siedlungsgeschichte Ausgabe Mai 2002

Marlies Grochau

Wussten Sie schon … ?

Seliggesprochener Pfarrer Josef Marxen mit Gedenktafel geehrt

 Fotos zum Vergrößern!

Am Eingangstor des Fronhofs an der St.-Tönnis-Straße in Worringen erinnert eine Gedenktafel an den seliggesprochenen Pfarrer Josef Marxen. Die Tafel wurde dort am 13. November 2022 auf Initiative von Dr. Cäcilia Giebermann - eine Großnichte von Josef Marxen, der Pfarrgemeinde St. Pankratius am Worringer Bruch und der Antoniter Siedlungsgesellschaft mbH angebracht und von Pastor Thomas Wolff feierlich gesegnet.

Josef Marxen kam am 2. August 1904 auf dem Fronhof zur Welt und erhielt wenige Tage später in der Kirche St. Pankratius die Taufe. Nach Abschluss der Volksschule besuchte er das Internat in Lorch und wechselte auf das Gymnasium der Steyer Missionare in St. Wendel im Bistum Trier. Dort spürte er die Berufung zum Priester und Missionar. Das Studium führte er am orientalischen Kolleg in München fort und wurde am 21. Juni 1936 für die albanische Diözese Durres zum Priester geweiht. In Albanien wirkte Josef Marxen in Perlat in den Bergen von 1936 - 1941 sowie in Jube an der Küste von 1941 bis zum Zeitpunkt seiner Verhaftung.

                                                                          
        

Mit der Machtergreifung der kommunistischen Partei begann nicht nur für die katholische Bevölkerung, die damals etwa 10 % der Gesamtbevölkerung betrug, sondern für alle Religionsgemeinschaften eine Zeit der Unterdrückung und Verfolgung. In dieser schwierigen Situation setzte sich Josef Marxen für die Menschenrechte ein, die in seinen Pfarrgebieten lebten, ob sie nun Katholiken, Orthodoxe oder Muslime waren. Viele, so auch Josef Marxen, hatten die Möglichkeit gehabt, im Ausland der Verfolgung zu entkommen, doch er lehnte ab. Im März 1946 wurde Josef Marxen nach Zeitzeugenberichten in der albanischen Hauptstadt Tirana aufgrund seiner Tätigkeiten als Priester festgenommen und ins Gefängnis eingewiesen, am 16. November 1946 bei Tirana wegen seines Glaubens erschossen.

Zusammen mit insgesamt 37 weiteren Märtyrern wurde Pfarrer Josef Marxen am 5. November 2016 in Scutari selig gesprochen. Der Gedenktag des „Seligen Pfarrer Marxen“ feiert das Erzbistum Köln jeweils am 16. November.

Giebermann hat sich in den letzten Jahren auf Spurensuche begeben. Sie erinnert sich, dass die Menschen noch heute von ihrem „Dom Zef“ sprechen, der lieber bei ihnen blieb, als die Möglichkeit zu nutzen, das Land Albanien zu verlassen.

Die Seligsprechung von Pfarrer Josef Marxen hat als Vorbild
- wenn es um Ökumene geht - über die kirchliche Gemeinde hinaus eine große Bedeutung für das Ortsgedächtnis sowie Ortsgefühl von Worringen.

Literaturquellen
Cäcilia Giebermann, Josef Marxen, Missionar in Albanien. Spurensuche, Trier 2016, S. 59
https://www.worringenpur.de - Sankt Pankratius am Worringer Bruch - Seliger Pfarrer Marxen

Abbildungsnachweise
Copyright Antoniter Siedlungsgesellschaft mbH
aus privater Sammlung


Bericht: Manfred Schmidt
heimatarchiv-worringen.de/November 2022

Interessantes für Sammler:

        

                                            

Wir möchten aus unserem Archivbestand 36 Exemplare "Wo und Was in Worringen" gegen eine Spende an Interessenten abgeben. Die Flyer wurden in den 1990er Jahren von der Werbegemeinschaft veröffentlicht. Abholbereit zu den Öffnungszeiten - mittwochs von 17.00 Uhr bis 18:30 Uhr - Breiter Wall 2.

 

Heimatarchiv Worringen