Was stand im Juni 1974 über Worringen im „Fips“ ?

Im Fundus des Heimatarchivs befinden sich – auch für unsere Besucher zugänglich – mehrere nach Jahreszahlen gebundene Ausgaben „Rheinischer Anzeiger, Heimatzeitung für Köln-Worringen – Dormagen – Zons – Nievenheim und Umgebung.“ Hier eine Auswahl (Abschrift) aus dem Monat Juni 1974.

 

  • Das Bekleidungshaus M.Sabo hat die schönsten Frühjahrsmodelle 1974 vorrätig.
  • Drei Jahre nach der Einweihung der Bezirkssportanlage Worringen hinter dem Hallenbad platzt die Anlage bereits aus den Nähten. Neben 13 Mannschaften mit ca. 180 Jugendlichen benutzen von der SG die Erste Mannschaft, die Reserve und die Altherren die Platzanlage für Training und den normalen Spielbetrieb mit Meisterschafts-und Freundschaftsspielen. Deshalb hat sich jetzt der Fußballjugendausschuss der Sportgemeinschaft Bayer direkt an den Oberstadtdirektor Prof.Dr. H.Mohnen gewandt mit der Bitte, für eine Erweiterung der Anlage Sorge zu tragen. Insbesondere erwarten die Sportler die Einrichtung ist einer Laufbahn und einer Hoch-und Weitsprunganlage.
  • Das Zentral-Theater zeigt nochmal auf Wunsch den sensationellen Publikumserfolg mit Terence Hill und Bud Spencer: „Die rechte und die linke Hand des Teufels“.
  • In den Bereich der Spekulation verwies in der Vorwoche der Kölner Oberbürgermeister John van Nes Ziegler Überlegungen, die neue Kölner Pferderennbahn könnte mit einem Aufwand von 50 Millionen DM im Worringer Bruch („Eispool“) errichtet werden. Bei einer Bürgerversammlung im Saal Gladbach meinte der erste Bürger Kölns, es sei derzeit noch völlig offen, wo die neue Rennbahn gebaut werde. Entscheidend ist hier die Finanzierung über den zu erwartenden Verkaufserlös des alten Geländes in Weidenpesch.
  • Das Jugendzentrum Krebelshof –eine Modell-Einrichtung der Jugendarbeit –sucht noch Sozialarbeiter und Bewerber für Hausmeisterposten.
  • Josef Fuchs, Worringer Karnevals-Liedermacher, kann ein ungewöhnliches Doppeljubiläum feiern: der in vielen Sätteln gerechte Worringer kann auf 40jährige Belegschaftszugehörigkeit bei der Bayer AG und auf 40 Jahre Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr Worringen zurückblicken. Gefeiert wird das Jubiläum in der Gaststätte Matheisen.
  • Der Kindergarten der Evangelischen Kirchengemeinde wird wegen Personalmangel für 2 Monate geschlossen. Mit Zustimmung des Presbyteriums wird aufgrund einer Elterninitiative eine „Kinderstube „ eingerichtet.
  • Die Dachstuhlarbeiten an der unter Denkmalschutz stehenden Pfarrkirche St.Pankratius stehen kurz vor der Beendigung. It der Fertigstellung der renovierten Kirche kann im April nächsten Jahres gerechnet werden. Bis dahin sollen allerdings auch die Außenhaut der Kirche und der vollständige Turmbau neu verfugt sein und ein neuer Glockenstuhl installiert werden. Umfangreiche Holzkonservierungsarbeiten sollen das zum Teil morsche Gebälk aufbereiten. Nebenbei soll auch das Kirchengewölbe isoliert werden. Für die Besucher der Pfarrkirche sichtbar werden die umfangreichen Arbeiten am Fußboden, der fast vollständig erneuert wird. Ebenso soll die Kirche einen neuen Anstrich erhalten. Spürbar wird sicherlich auch die neue, leistungsfähigere Heizung des Gotteshauses.
  • Bei hochsommerlichen Temperaturen holten Worringer Karnevalisten außerhalb ihres Aktionsprogramms die bunten Jecken-Röcke aus den Schränken. Die Mädchen des Tanzkorps der „Närrischen Grielächer“ bildeten Spalier an der Pfarrkirche St.Michael in Dormagen. Kurz zuvor waren hier Armin Rheinfeldt (Kassierer des Vereins) und Maria Schlaffke (Tanzkorps) von Pfarrer Peter Heidkamp getraut worden.
  • Die Trainerfamilie Tautz vom Schwimmverein Worringen beteiligte sich an einem Seniorentreffen im französischen Saint Louis, das von den Enfants de Neptune de Cheminols veranstaltet wurde. Hier gab es recht gute Platzierungen. Renate Tautz holte über 50m Brust einen 2. Rang, wurde 3.über 50m Delphin und im Rücken- sowie Freistilschwimmen gab es für sie vierte Plätze. Egon Tautz wurde im Brustschwimmen vierter, im Rückenschwimmen 7. Und im Freistil 10. In der Familienstaffel belegte man Platz 7. 
  •  Erstellt:   Horst Winter – Heimatarchiv Worringen e.V.

Wussten Sie schon ... ?

Jüdisches Leben in Worringen - „Spurensuche“

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Die wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit brachten auch eine grundlegende Wandlung der jüdischen Siedlungsstrukturen mit sich. Die meisten großen jüdischen Gemeinden im deutschsprachigen Raum verschwanden; es entstanden Ansiedlungen in kleinen Landstädten und Dörfern. Dieses sog. Landjudentum war bis zur sich fast über ein Jahrhundert hinziehenden Emanzipation ab dem Ende des 18. Jahrhunderts die typische jüdische Lebensform.

Erste Belege jüdischen Lebens im Umkreis von Köln stammen aus dem 14. und 15. Jahrhundert; allerdings siedelten sich damals vermutlich Landjuden noch nicht dauerhaft an. Erst im Laufe des 18. Jahrhunderts bildete sich im Ort Frechen eine jüdische Gemeinde, die sich in napoleonischer Zeit zur größten zwischen Aachen und Köln entwickelte. Zu Frechen - dem Mittelpunkt des Synagogenbezirks - gehörten zunächst auch die Juden der Bürgermeistereien Pulheim, Lövenich, Stommeln, Freimersdorf, Grefrath, Großkönigsdorf, Worringen, Efferen, Hürth und Brühl. Doch das Streben nach Selbständigkeit führte alsbald dazu, dass sich in den meisten Ortschaften autonome jüdische Gemeinden bildeten.

     

Das Gebiet der späteren Bürgermeisterei Worringen gehörte vor den territorialen Veränderungen in Auswirkung der „Französischen Revolution“ im Jahr 1789 zum Erzstift Köln (Graf Gerhard von Jülich verkaufte die Vogtei Worringen 1151 an das Kölner Domkapitel) und wurde vom Amt Hülchrath verwaltet. Die Religion der Einwohner war durchweg katholisch. Wer in die „Herrlichkeit Worringen“ zuziehen wollte, musste „katholisch“ sein. Ob dort zu dieser Zeit möglicherweise Einwohner jüdischer Glaubenszugehörigkeit lebten, war nicht festzustellen; dies triff ebenso für das 19. Jahrhundert zu. Die Volkszählung vom 1. Dezember 1905 in der Gemeinde Worringen ergab folgende Einwohnerzahlen: Ort Worringen 3.053 (3.026 kath., 27 ev.), Bergerhof 17 (16 kath., 1 ev.), Krebelshof 20 (20 kath.), Muckel 13 (13 kath.). Die unter der napoleonischen Besatzung eingeführte Gleichberechtigung der Juden und ihre Wiederansiedlung in Köln und im übrigen Rheinland wurden in den darauffolgenden Jahren systematisch zurückgenommen. Bereits im Wiener Kongress 1815 widerriefen die meisten Staaten des Deutschen Bundes die Zugeständnisse an die Juden.

                                                                        

 

Eine spezielle Bedeutung kommt der „Rheinischen Dorfchronik von Joan Peter Delhoven aus Dormagen (1766 - 1824) - Landwirt, stellvertretender Küster, Handelsmann und Chronist“ für die Bürgermeisterei Worringen zu, der als Zeitzeuge u. a. die Geschehnisse im Jahr 1819 aufzeichnete und interpretierte. Der Chronist notierte: „Der gewaltsame Tod eines siebenjährigen Mädchens und Gerüchte um einen Ritualmord in der nachbarlichen Bürgermeisterei Dormagen führten zu Spannungen und anschließenden Ausschreitungen gegen jüdische Bürger. Diese den Hep-Hep-Krawallen (* 1) zuzuordnenden Übergriffe entfachten nicht nur in Dormagen Unruhen und Verfolgungen, sondern auch in den umliegenden Dörfern.“ Auszug aus der Aktenführung der Bürgermeisterei Worringen vom 20. Oktober 1819: „Verwarnung an die Einwohner von Worringen gegen Misshandlung einiger durchreisenden Juden.“

                                                                         

Worringen war wie alle rheinischen Dörfer eine geschlossene katholische Gemeinschaft. „Ökumene“ im Dorf undenkbar! Wenn Durchreisende katholischen Glaubens im Ort starben, war die Beerdigung kein Problem. Die Lage Worringens an der örtlichen Landstraße brachte aber auch gelegentlich Andersgläubige, die hier verstarben. Sie wurden in einer tiefliegenden Stelle an der äußeren Grenze des Friedhofs um die alte Pfarrkirche St. Pankratius begraben. Im Internet-Portal des Historischen Archivs der Stadt Köln ist unter Signatur Best. 750 Friedhofsamt u. a. angeführt: „1853 - 1884 in den Bestand Worringen Judenfriedhöfe.“ Eine jüdische Begräbnisstätte in Worringen ist aus der Literatur nicht offenkundig. Nachfragen an die Synagogen-Gemeinde Köln und das Historische Archiv der Stadt Köln verliefen ergebnislos. Das Historische Archiv teilte mit, dass gegenständliche Original-Unterlagen bedauerlicherweise noch nicht zur Verfügung stehen. Zwar ist ein Neubau am Eifelwall nach dem Einsturz vor 11 Jahren weitgehend fertiggestellt, jedoch steht der genaue Bezugstermin noch nicht fest. Zur möglichen Existenz einer jüdischen Begräbnisstätte müssten indessen noch nachhaltige Quellenstudien unternommen werden.

                                                                                                       

 Die heutige „Bolligstraße“ zwischen „Lievergesberg“ und „Delrather Straße“ in Worringen (Theodor Bollig war von 1832 - 1835 kommissarisch amtierender Bürgermeister der Bürgermeisterei Worringen) hieß vor der Eingemeindung Worringens nach Köln im Jahr 1922 „Judengasse“ („Jüddejass“), später „Marienstraße“ (Marienstroß). Die Straßenbezeichnung „Judengasse“ bezog sich keineswegs auf dort evtl. wohnende jüdische Mitbürger, sondern vielmehr darauf, dass dort 1878 durch den jüdischen Kaufmann Abraham Emanuel aus Neuss Wohnhäuser angelegt wurden. Die Namensgebung könnte aber auch darauf zurückzuführen sein, dass jüdische Kaufleute wegen besonderer Schikanen wie z.B. Ortsbetretungsverboten und spezifischer Zollbestimmungen aber auch wegen offener Gewalttätigkeit und Pogromen oft gezwungen waren, bestimmte Landwege zu meiden und abseits der gängigen Wege zu gehen. Für diese Feldwege hatte sich im Sprachgebrauch der Begriff „Judenwege“ eingebürgert.

In der nördlich angrenzenden Bürgermeisterei Dormagen wird ein jüdischer Friedhof zum ersten Mal erwähnt, als sich 1862 die Dormagener Juden beim Gemeinderat wegen Zerstörungen um eine Einfriedung des Geländes bemühten, doch wurde vermutlich erst in den 1880er Jahren eine Mauer um den Friedhof errichtet. Der dort älteste erhaltene Grabstein stammt aus dem Jahr 1869. Die Inschrift lautet: „ Jetche bat David ∞ Josef ben Eljakum.“ Die letzte Beisetzung fand im Jahr 2000 statt, als hier die aus der Deportation zurückgekehrte Irene Dahl ihre letzte Ruhe neben ihrem 1968 gestorbenen Mann, dem Dormagener Metzgermeister Jakob Dahl (* 2), fand.

                                                                                                         

 * 1    Ursprung und Bedeutung des Rufes „Hep-Hep“ sind bisher unklar. „Hep“ soll beispielsweise ein Akronym für „Hierosolyma est perdita“ sein, was so viel wie „Jerusalem ist verloren“ bedeutet. Auch wird in Betracht gezogen, dass es sich um einen Ruf handelt, welcher dazu diente, Zugtiere anzutreiben, um „die Juden“ zu animalisieren und ihnen so jegliche Rechte abzuerkennen.

* 2        Jakob Dahl, geb. 10. Januar 1916, verst. 12. Oktober 1968, deportiert nach Riga 10. Dezember 1941, KZ Theresienstadt, 1945 befreit.

 

Inwieweit jüdisches Leben im 20. Jahrhundert in Worringen existierte, sind noch aufwendige Recherchen durchzuführen. Wer weiß manches hierüber, damit die Worringer Geschichtsschreibung annähernd komplett ist?

 

Literaturquellen

Historisches Archiv Stadt Köln / NS-Dokumentationszentrum Stadt Köln: Ausstellung „Jüdisches Schicksal in Köln 1918 - 1945“, Köln 1989
http://de.wikipedia.org/wiki/Juden

Abbildungsnachweise
Historisches Archiv Stadt Köln (HAStK)

Stadt Pulheim, Kulturabteilung
https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-12247-20110615-3

aus privater Sammlung

Bericht: Manfred Schmidt

heimatarchiv-worringen.de/März 2021

 

 

Publikationen zur Ortsgeschichte

Das Heimatarchiv hat zur Ortsgeschichte die nachstehend aufgeführten Publikationen veröffentlicht. Diese können auf Anfrage zum Preis von 5.00 Euro (zuzüglich Versandkosten) erworben werden. Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder Telefon 0221-785678.

(Zum Inhalt jeweils auf auf Foto klicken)

 

                          

                                                       

                                                       

                                                       

                                                       

                                                         

 

Feldpost Serie

Im Worringer Heimatarchiv sind ca. 10.000 Fotografien aus unterschiedlichen Zeitepochen und Themenbereichen digitalisiert. Aus diesem Bestand veröffentlichen wir in einer fortlaufenden Serie  Feldpostkarten  von Worringer Kriegsteilnehmern aus dem 1. Weltkrieg. 

Dritte Folge:

 

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Ein Wunder, dass die Alten noch leben!

 

Was die Menschen in ihrer Jugend doch alles durchgemacht haben.

Als Kinder saßen sie in Autos ohne Sicherheitsgurte und ohne Airbag. Ihre Kinderbetten waren bunt angemalt mit Farben, die aus Schwermetallen und schlimmen Lösungsmitteln zusammengesetzt waren. Türen und Schränke waren eine ständige Bedrohung für ihre kleinen Finger.

Die Hustensaft-Fläschchen aus der Apotheke konnten sie ohne Schwierigkeiten öffnen, denn sie hatten keinen Sicherheitsverschluss - ebenso wenig wie die Bleichmittel aus dem Supermarkt. Auf dem Fahrrad trugen sie nie einen Helm.
Sie tranken Wasser aus Wasserhähnen und nicht aus Flaschen.

Sie bauten Wagen aus Seifenkisten und entdeckten während der ersten Fahrt den Hang hinunter, dass sie die Bremsen vergessen hatten. Damit kamen sie nach einigen Unfällen trotzdem klar.

Sie verließen morgens das Haus zum Spielen, blieben den ganzen Tag weg und mussten erst zu Hause sein, wenn die Straßenlaternen angingen. Niemand wusste, wo sie in der Zwischenzeit waren, denn sie hatten kein Handy dabei!

Sie haben sich beim Spielen geschnitten, die Knie abgeschürft, die Knochen gebrochen oder Zähne verloren. Aber niemand wurde deswegen verklagt. Es waren eben ganz normale Unfälle. Es wurde kein Schuldiger gesucht, denn sie betrachteten sich einfach als selbst schuldig daran. Keiner fragte nach „Aufsichtspflicht", „Haftung" oder „Rechtsschutzversicherung".

Sie prügelten sich, kämpften und schlugen einander manchmal bunt und blau. Und sie vertrugen sich von selbst wieder ohne Gewaltvermeidungskonzepte und Streitschlichtungsprogramme.

Die Mädchen mussten sich ohne Koedukation und Selbstbehauptungskurse entwickeln; es gaben kein Frauenfußball und kein Frauenboxen.

Die Sonnenfinsternis betrachteten sie durch eine Glasscherbe, die sie mit Ruß geschwärzt hatten, und sie wurden nicht blind davon.

Sie aßen Kekse, Brot dick mit Butter bestrichen, tranken sehr viel und wurden trotzdem nicht dick.

Sie tranken mit ihren Freunden aus einer Flasche und niemand starb an den Folgen.

Wie armselig mussten sie ihre Freizeit gestalten; ohne 96 Fernsehkanäle, Playstation, Nintendo, X-Box, Videospiele, Videofilme, Surround Sound, eigene Fernseher, eigener Computer, CD-Brenner und Internet.

Aber sie hatten Freunde. Sie gingen einfach raus auf die Straße und trafen sie dort.
Oder sie marschierten einfach zu deren Wohnung und klingelten. Manchmal klingelten sie erst gar nicht und gingen einfach hinein. Ohne Terminabsprache und ohne Wissen der Eltern. Keiner begleitete sie hin und wieder zurück.

Sie redeten persönlich miteinander und mussten auf WhatsApp, SMS, Chat4rooms und E-Mails verzichten.

Ihre Telefongespräche konnte jeder mithören, weil sie keine eigenen Geräte besaßen. Sie mussten selbst spielen, selbst sprechen, selbst schreiben und selbst zuhören.

Überall mussten sie zu Fuß hingehen; zum Sportverein, zum Musikunterricht, zum Ballett, zum Reiten. Kein Elternauto brachte sie hin oder holte sie wieder ab.

Beim Straßenfußball durfte nur mitmachen, wer gut war. Wer nicht gut war, musste lernen, mit Enttäuschungen klarzukommen.

Wer frech war oder den Unterricht störte, bekam schon mal einen Klaps. Die Lehrer brauchten dafür keine Anzeige wegen Körperverletzung zu befürchten, sondern ernteten Zustimmung.

Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere. Sie rasselten durch eine Prüfung und wiederholten die Klasse. Das führte nicht zu Elternprotesten, Dienstaufsichtsbeschwerden oder gar zur Änderung der Leistungsbewertung.

Mangelhafte Leistungen wurden knallhart formuliert. "Die Rechtschreibeleistungen von Fritz sind ungenügend". Wie gerne hätten sie den heutigen Satz „Friedrich hat in differenzierenden Aufgabenstellungen im Rechtschreiben manchmal ausreichende Leistung erbracht“ gelesen.

Ihre Taten hatten Konsequenzen. Das war allen klar und keiner konnte sich verstecken. Wenn einer als Ladendieb erwischt wurde, gab es ein Verfahren. Die Eltern griffen nicht die Polizei an, sondern waren sogar ihrer Meinung. So etwas!

Im zarten Alter von 14 oder 15 mussten sie ihre Lehrstelle antreten. Sie nannten sich „Lehrlinge" und mussten mit der Tatsache „Lehrjahre sind keine Herrenjahre" überleben lernen.

 

Quelle: Heimatarchiv

Verfasser: unbekannt

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