Protestanten

 

Ende des 18. Jahrhunderts war die Zeit des „Kurfürstentum Köln“ sowie der Vogtei Worringen des Kölner Domkapitels und somit die „Herrlichkeit Worringen“ vorbei. Worringen wurde 1794 eine französische „Mairie“ (Bürgermeisterei). Zu diesem Zeitpunkt hatte es rund 400 Einwohner. Die Religion der Bewohner war ausnahmslos katholisch. Wer in die „Herrlichkeit Worringen“ zuziehen wollte, musste katholisch, ehrlich und unbescholten sein (Nachweis durch Bestätigung und Schwur).

 Im Übrigen konnten die Protestanten in der „Freien Reichsstadt“ Köln nach der Reformation nur sehr schwer Fuß fassen. Ihnen wurde über Jahrhunderte das Bürgerrecht, sogar der Erwerb von Grundbesitz verwehrt. Zum Gottesdienst mussten sie sich vor die Tore der Stadt bis nach Mülheim begeben. Erst 1797 konnten die evangelischen Einwohner unter der Franzosenherrschaft das Bürgerrecht in Köln erwerben und am politischen Leben teilhaben. 1802 erhielten sie das Recht der freien Religionsausübung. Am 21. Juni 1802 wird die Antoniterkirche den Protestanten übertragen und damit erstes evangelisches Gotteshaus in Köln.

Nach Abzug der französischen Revolutionstruppen kamen 1815 die linksrheinischen Gebiete und damit Worringen durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses zu Preußen. 1816 wurde Worringen selbständige Gemeinde. Die Bürgermeisterei Worringen, bestehend aus dem „Städtchen“ Worringen und den Dörfern Roggendorf, Thenhoven, Weiler, Fühlingen, Langel, Rheinkassel, Feldkassel und Kasselberg, hatte um 1825 3.079 Einwohner (Worringen und Roggendorf-Thenhoven insgesamt rund 2.000 Einwohner).

Nur vereinzelt siedelten sich zu dieser Zeit auch Protestanten in Worringen an. So betrug die Bevölkerung von Worringen mit Roggendorf-Thenhoven im Jahr 1865 2.821 Einwohner, davon waren 4 evangelisch. Dies blieb lange unverändert.

 Die Volkszählung vom 1. Dezember 1905 ergab 3.053 Einwohner in Worringen. Davon waren 28 evangelisch. In den 1930er Jahren begann sich dieses Verhältnis langsam, aber stetig zu ändern. Vor allem unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg stieg die Anzahl der in Worringen evangelischen Einwohner nachdrücklich, und zwar durch die Umsiedlung und die Zuwanderung vieler Menschen aus den ehemaligen, vorwiegend evangelischen deutschen Ostgebieten, die hier eine neue Heimat fanden.

Vor 1914 gehörten die wenigen Protestanten im Raum Worringen zur Kirchengemeinde Monheim im Kirchenkreis Solingen bzw. Leverkusen, nach dem 1. Weltkrieg zur Kirchengemeinde Dormagen.

Von 1956 an, als die Anzahl der evangelischen Einwohner in Worringen, Roggendorf-Thenhoven, Langel, Rheinkassel, Fühlingen und Merkenich auf 1.269 stieg, gehörten diese zur Kirchengemeinde Köln-Nippes und ab 1957 zur Kirchengemeinde Köln-Weidenpesch.

Noch ehe am 1. Januar 1962 Worringen mit Roggendorf-Thenhoven zu einer selbständigen evangelischen Kirchengemeinde erhoben wurde, konnte am 26. Februar 1961 die neue Friedenskirche an der Hackenbroicher Straße eingeweiht werden.

 

Manfred Schmidt, November 2011

Literaturquellen

Gerhard Dane: „Kirche im Dorf“, Köln 1987

Carl Dietmar: „Die Chronik Kölns“, Dortmund 1991

Toni Jägers: „Köln-Worringen in Geschichte und Geschichten“, Köln 1985