40jahre „Frisch Auf“
Ausstellung im Heimatarchiv Worringen e.V.


40 Jahre Tambourcorps?! Hey, das sind doch die „Knüppelchensjunge“, die an Karneval immer durch das Dorf laufen, oder? Aber wieso findet denn eine Ausstellung zum 40-jährigen Jubiläum im Heimatarchiv statt? Die machen doch eigentlich nur an Karneval Krach! Was haben die denn dann auszustellen?
So oder so ähnlich wird wohl die ein oder andere Frage lauten, die einige Worringer im Kopf haben werden, wenn sie das Plakat unseres Jubiläumskonzertes sehen, auf dem wir auch für unsere Ausstellung im Heimatarchiv, die vom 26.03.2017 – 03.05.2017 stattfinden wird, werben. Darauf können wir nur antworten: „Es gibt da viele Dinge zu sehen! Sowohl Interessantes, Wissenswertes, aber auch so manches Kurioses, das man sich unbedingt anschauen sollte. Zum Beispiel spielt das Tambourcorps nicht nur an Karneval, auf unserem geliebten Heimatfest, sondern auch den Rest des Jahres mit viel Spaß an der Musik auf den verschiedensten Schützenfesten im Kölner Norden. Manchmal verschlägt es uns auch nach Köln-Dünnwald oder im Zuge des Bundesköniginnentages im Mai und des Bundesfestes im September viel weiter weg, an viele andere schöne Orte der (Erz-)Bistümer Aachen, Köln, Essen, Münster und Osnabrück. Durch die regelmäßige Teilnahme an diesen Veranstaltungen wurde unser Tambourcorps im Jahre 2008 sogar mit dem Titel „Bundestambourcorps“ durch den Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften ausgezeichnet. Dort erkennt man uns dann immer sofort an unserer grauen Uniform. Jedoch war dies nicht immer die Farbe des Vereins. Das Tambourcorps entstand 1977 aus der Großen KG und trug somit die ersten Jahre auch eine rote Uniform. Dies hat sich dann im Jahr 1988 zu unserer grauen Uniform geändert. Das ist aber nicht die einzige Veränderung im Laufe der 40-jährigen Vereinsgeschichte. Seit 1994 findet jedes Jahr innerhalb unserer Reihen ein Zugkönigschießen statt, welches immer vor dem ersten Schützenfest auf dem Schützenplatz in Horrem stattfindet. Dabei wurden bereits viele Mitglieder Zugkönige, die sich im Club der Könige zusammengeschlossen haben. Seit dem letzten Jahr hat das Tambourcorps nun auch seine erste Zugkaiserin, die den Vogel bereits zum dritten Mal abgeschossen hat.
Neben unseren Auftritten zur Karnevals- und Schützenfestsaison spielen wir auch ehrenamtlich bei unterschiedlichen anderen Anlässen, wie z. B. St. Martin in Schulen und Kindergärten oder auch in der Adventszeit auf Weihnachtsmärkten und auf Weihnachtskonzerten.
Aber in den letzten Jahren haben sich vor allem auch die Noten der Lieder, die wir das ganze Jahr über einstudieren, und die Ausbildung der „Anfänger“ in unserem Verein entscheidend verändert. So wurde das Repertoire an Musikstücken für alle Instrumente auf Papier gebracht. Zudem sind in den letzten Jahren mehrere Lehrgänge für die verschiedenen Instrumente entwickelt worden und sind besonders im Zuge der Jugendausbildung im Einsatz, so lernen zum einen die Flötenanfänger seit letzten Jahr nach einem neuen Lehrgang das Spielen der Ces-Flöte und seit diesem Jahr haben wir auch Anfänger bei den Percussion-Instrumenten, die nach dem neuen Lehrgang für die Schlagwerker erst einmal den Rhythmus lernen, den sie später für den Einsatz an Pauke und Becken benötigen.

Aber dies und auch andere Dinge sehen sie sich am besten selbst auf unserer Ausstellung im Heimatarchiv in Worringen an. Unter anderem sehen sie auch dort unsere Vereinsgeschichte nicht nur in geschriebenen Wort wie hier, sondern auch in Bildern, die meist mehr sagen, als ein solcher Artikel.

Wir freuen uns auf sie und verbleiben mit dreimal „Frisch Auf“

 

Bericht: Sandra Jansen

Foto:     Siegfried Weigl

Besuch von Kindern der evangelischen Kirchengemeinde im Heimatarchiv

 

„Heimat“ war das Thema beim Kindermorgen am 18. März 2017, dem monatlichen Kindergottesdienst der evangelischen Kirchengemeinde, der immer mit einem Frühstück beginnt und dann neben einer biblischen Geschichte auch etwas Spielerisches oder Kreatives beinhaltet. Und da lag es natürlich bei diesem Thema nahe, auch das Worringer Heimarchiv zu besuchen. Zwischen der Eingangsfrage von Herrn Heinz: „Kinder, was ist denn eigentlich Heimat?“ und der Schlussbemerkung von Pfarrer Hofmann-Hanke: „Wenn Ihr mal Omas und Opas seid, dann könnt Ihr ja auch von früher erzählen, wie Ihr da gelebt habt in Worringen – und vielleicht erinnert Ihr Euch dann auch an das Heimatarchiv, in dem die Geschichte Worringen erlebbar wird.“ Es gab viele Informationen über die vielerlei Schätzchen, die es in den Ausstellungsräumen neben der Post jeden Mittwoch von 17 – 19 Uhr zu besichtigen gibt. Dabei wurde deutlich, wie wertvoll es ist, wenn die Generationen in gutem Kontakt miteinander sind, ist es doch immer wieder schön, wenn ein Kind berichten kann, was es über das frühere Leben von Opa und Oma gehört hat. Vielen Dank an Herrn Heinz und Herrn Lange, die das Gespräch so geführt haben, dass es für die Kinder interessant war.

                                                                

 

Bericht: Volker Hofmann-Hanke

Foto: Heimatarchiv Worringen e.V.

Was stand vor mehr als 50 Jahren über Worringen im „Fips“?

Hier eine Auswahl aus dem Monat März 1965; wird fortgesetzt.

 

                                               

  • Sonntag, 7. März, 9.30 Uhr Gottesdienst mit Pfarrer Schlüter; Dienstag 18 Uhr Farbfilm.
  • Karneval: Die Jecken beherrschten am Rosenmontag vier Stunden lang das Straßenbild. Wie bodenständig und urwüchsig der Worringer Karneval ist, erwies sich einmal mehr an den zurückliegenden tollen Tagen. Bei der Prinzeneinführung am Samstag, dem Kinderkarnevalszug am Sonntag und dem wunderschönen Rosenmontagszug feierte der Worringer Fasteleer ureigenster Prägung. Da war nichts zu spüren von gewissen „Ermüdungserscheinungen“ rheinischen Karnevals, wie sie sich anderorts bemerkbar machten.   
  • VdH Ortsverband Worringen: Versammlung im Verbandslokal Matheisen-Meurer. Tagesordnung : Heimkehrertreffen in Stuttgart und die Gründung einer Frauengruppe.
  • Josef Matheisen wird am 2. März 84 Jahre; Josef Spanke am 4. März 80 Jahre.
  • Tüchtige Friseuse sowie Lehrling ab 1. April für modernen Salon in Worringen –West Telefon: Köln 712254
  • Opel-Rekord Bj. 58 Garagenfahrzeug, 5 x neu bereift, 65.000 km in bar abzugeben. Bös, Köln-Worringen, Lievergesberg 46
  • Laufställchen zu verkaufen, Worringen, In der Lohn 17
  • Zentral-Theater: „Das frivole Karussell der Liebe“ .. frech, pikant, prickelnd und attraktiv!
  • Vorbereitungstage für Brautleute. Lehrgänge mit Dechant H. Gelissen oder bei Kaplan Albrecht Hey.
  • Ferienfahrten nach Südtirol; Sommerlager der Katholischen Jugend .
  • Fußball: SV Pesch – BV 27 Worringen 1:1; Torschütze Kuhn.  In der vorletzten Minute hatte Brand  eine 100%ige Chance. 
  • Ringer (TuKSV) wurden Vizemeister der Kreisklasse mit der Mannschaft: Metzemacher, Stroka, Gerber,Hasselweiler, Thorn, Dikem.
  • Neue Bücherei in Worringen: Worrings Bücherfreunde können in der neuen Pfarrbücherei der Pfarre „St. Pankratius“ unter mehr als 2600 Büchern wählen.
  • Verkehrsunfall auf der B 9 in Höhe der Gaststätte Bachem.  Zwei  Fußgänger  wurden von einem PKW erfasst,  einer der beiden Fußgänger verstarb noch an der Unfallstelle.
  • Laienspieler mit neuem Vorstand; Heinrich Peters als neuer Vorsitzender gewählt. Mit Bedauern stellte sein Vorgänger Heinrich Klein  fest, dass auch im Jahre 1964 kein größeres Theaterstück zur Aufführung gelangte.
  • Erneute Zerstörung an der Schwimmanlage
  • Spargelpflanzen verkauft die Gärtnerei Helmut Krieger, Alte Neußer Landstr. 157
  • Am 22. März verstirbt  Gastwirt Josef Matheisen.

Erstellt:  Hans-Josef Heinz – Heimatarchiv Worringen e.V.

 

Wie Bayer nach Worringen kam

 

Zu Beginn des Jahres 1913 wurde das für gewöhnlich so beschauliche Leben in der bäuerlich geprägten Bürgermeisterei Worringen von einer eigenartigen Aufregung erfasst: Man sah sich mit einer „Industrieangelegenheit“ konfrontiert, deren „glückliche Erledigung“ für die künftige Entwicklung von größter Wichtigkeit zu schein schien. Vor allem Joseph Seul - seit 1907 Bürgermeister - wollte die Gelegenheit nicht ungenutzt lassen. Die Bürgermeisterei Worringen umfasste zu jener Zeit das „Städtchen“ Worringen (mit Schloss Arff, Haus Furth, Teile des Chorbusches und Piwipp sowie den zugehörigen Höfen Brüngesrather Hof, Bergerhof, Krebelshof, Blechhof) und die Dörfer Roggendorf, Thenhoven, Fühlingen (mit Feldkassel und Stallagsberg), Langel (mit Rheinkassel und Kasselberg), Weiler, Merkenich (mit den Höfen Groß- und Klein-Lachem) und hatte eine Fläche von rund 5.400 ha (= 28 % des damaligen Stadtgebietes Köln).
                                                             

Seul wusste nur zu gut, dass der industrielle „Take Off“ im Köln-Neusser Gebiet stattgefunden hatte. Die Neigung zur Niederlassung von Großindustrie war seit der Jahrhundertwende immer deutlicher hervorgetreten. Demgegenüber sah Seul seine Gemeinde eindeutig im Hintertreffen. Sicherlich: „Die Zeit, dass die Gemeinde eine rein landwirtschaftliche Bevölkerung hatte“, war längst entschwunden. Es existierten zwar Ziegeleien, Sägewerke, Brauereien, eine Kettenschmiede und Korbmacherbetriebe, trotzdem konnte man nicht von einer industriellen Struktur sprechen. Ein Großteil der arbeitenden Bevölkerung hatte immer noch eine Beschäftigung in der Landwirtschaft und lebte vom Fischfang. Zumal waren in Worringen zahlreiche Straßen und Wege noch nicht befestigt. Es gab keine Kanalisation, kein elektrisches Licht. Das Wasser wurde mit der Schwengelpumpe im eigenen Hof gepumpt oder aus dem Gemeinschaftsbrunnen geholt.

Da die Leverkusener „Farbenfabriken Bayer AG vorm. Friedrich Bayer & Co.“ infolge der stürmischen industriellen Entwicklung kurzfristig Gelände benötigte, wurde 1913 das unbebaute, nur von einem Feldweg durchzogene Ackergelände zwischen den Ortschaften Worringen und Dormagen (mit einer Größe von insgesamt ca. 650 Morgen (* 1), davon ca. 230 Morgen Worringer Gebiet) durch „geheimnisvolle Mittelsmänner“ angekauft, da die Farbenfabriken eine Preistreibung verhindern und deshalb bei den Verhandlungen nicht genannt werden wollten.
Seul hatte zuvor - ohne konkret zu werden (* 2) - den vielen Grundstücksverkäufern - den Bauern und kleinen Grundstücksbesitzern - deutlich gemacht, die Ansiedlung industrieller Großproduktion lediglich dann zustande kommen könne, wenn alle Parzellen zusammenhängend und zu angemessenem Kaufpreis der Gemeinde überlassen würden (* 3). Die Anstrengungen des Bürgermeisters fanden letztlich trotz einiger Vorbehalte bei den Grundstücksverkäufern Zuspruch. Am 31. März 1913 meldete das „Berliner Tageblatt“, dass auf dem linken Rheinufer nahe Leverkusen große Grundstücke zur Anlage neuer Betriebe erworben worden waren. Als Käufer hatten sich die Farbenfabriken zu erkennen gegeben, jenes weltweit operierende Farben-, Pharma- und Chemieunternehmen, das seit 1899 Aspirin produzierte und im 50. Jahr seines Bestehens (gegründet 1863 in Elberfeld) einen der größten Konzerne in Deutschland darstellte.
                                                                                             
Zwischen Anschein und Wirklichkeit klaffte allerdings eine Kluft. Die tatsächlichen Hintergründe der Grundstückskäufe vermochte kaum jemand zu erfassen. So sehr etwa die öffentliche Berichtserstattung den lokalen Erwartungen entgegenkam, so wenig gab sie die Pläne wieder, die von den Farbenfabriken mit dem umfangreichen Grundstückserwerb verfolgt wurden. Es ging gar nicht um eine großindustrielle Nutzung. Die für den Ankauf ursprünglich bestimmende Absicht bestand vielmehr darin, Depots zu schaffen für den im eng bebauten Leverkusen auf die Dauer nicht mehr unterzubringenden bei der Produktion entstandenen Schlamm- und Schuttanfall (ton-, kalk- und gipshaltige Stoffe der Farben- Rückstände sowie Kesselschlacke und Bauschutt).

Zweifelsohne brachten es die Planungen mit sich, dass das Gebiet zwischen Worringen und Dormagen in ein für industrielle Zwecke geeignetes Gelände umgewandelt wurde. Ein kurz- oder mittelfristiger Baubeginn für ein großes Industriewerk - wie gegenüber der Presse verlautbart - war jedoch vorerst nicht Teil der Unternehmungsplanung. Der Blick war von Beginn an auf Auftragsvergaben im Rahmen des Schuttkippen-Projektes gerichtet.

Die Planungen der Farbenfabriken konnten jedoch nur zu einem kleinen Teil verwirklicht werden. Zwar begannen sie mit der Ausbaggerung des Geländes, zur Ablagerung von Industrieabfällen ist es jedoch bedingt durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges am 1. August 1914 nie gekommen. Militärpolitische, aber auch unternehmerische Interessen machten es für die Farbenfabriken notwendig, ihre Pläne für das Gelände grundlegend zu ändern. Worringen und Dormagen erhielten letztlich doch ein bedeutendes Industriewerk.
                                                         

* 1 1 Morgen = im Durchschnitt 25-30 Ar, 100 Ar = 1 Hektar
* 2 Gegenüber Dritten geschickt mit Teilwahrheiten und Verschleierungsmanövern
operierend, war es den „Mittelsmännern“ der Farbenfabriken gelungen, Fortschrittshoffnungen in den Landgemeinden anzusprechen und die Gemeindeoberen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Seul teilte man bedeutungsvoll mit, dass eine Industrie sich für das Gelände interessierte und große Vorteile für die Kommune zu erwarten seien. Mahnend hob man hervor, dass das Projekt scheitern würde, wenn nicht in kürzester Frist die Eingesessenen für ihren Auftraggeber annehmbare Forderungen stellten.
* 3 Auf einer Volksversammlung versprach Seul den Anwesenden die Schaffung tausender Arbeitsplätze und ersuchte die Besitzer der fraglichen Grundstücke dringend, ihre Ländereien zum Wohle aller Worringer Bürger der Gemeindeverwaltung „für eine gewisse Zeit“ zum Verkauf fest an Hand zu geben.

 

Literaturquellen
Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2007 (2006) des „Kreisheimatbund Neuss e.V.“
Archivunterlagen des „Heimatarchiv Worringen e.V.“

Manfred Schmidt

 

Ausstellungsspektrum  im Heimatarchiv erweitert

 

Um den Besuchern des Heimatarchivs einen ungehinderten Blick auf die ausgestellten Exponate zu ermöglichen, haben die „Zwei aus der Werkstatt“Wolfgang Keller und Friedel Annas, die Ausstellungsfläche um drei Vitrinen erweitert.

 



      

Hier eine Auswahl der dort ausgestellten Exponate:

         

 Schreibmaschine aus der Amtsstube des letzten Worringer Bürgermeisters Josef Seul (1907 – 1922) mit

Visitenkarte und Briefbogen der ehemaligen Gemeinde Worringen.

     Auszug des Eingemeindungsvertrags von 1921.Worringer,                                      

 

 

                   

 Schöffen-, Pfarr- und Amtssiegel, Auszeichnungen und Medaillen von Schwimmer Peter Meurer (Taate Lang),

                                              

 

                                                                                                           

Ehrenzeichen aus der Kaiserzeit für Hebamme Maria Meurer.

 

                   

Unikate und Fotos aus der Geschichte des Worringer Karnevals. Schlüssel des ehemaligen Polizeigewahrsams in „Alt Pankratius“.


Bericht: Hans Josef Heinz                                                                                                                                                              

Foto: Heimatarchiv Worringen e.V