KG „Löstige Junge“

 

Die Prinzenproklamation am 4. Januar 2013 stellt den ersten Höhepunkt für Gerhard Höschler auf dem Weg bis zu den „3 tollen Tagen“ dar. Die Karnevalsgesellschaft „Löstige Junge“ Köln-Worringen fiebert besonders dieser Proklamation entgegen, fällt ihr doch turnusgemäß nach 6 Jahren wieder die Aufgabe zu, in der Session 2012/13 den Worringer Karnevalsprinzen zu stellen. Auf der „11.-11.-Feier des Festkomitees Worringer Karneval von 1886 e.V. wurde das Geheimnis im Rahmen eines bunten Programms gelüftet. Gerhard Höschler als Gerd I., sein Hofstaat und ihre Gesellschaft werden die Worringer Jecken durch die bevorstehende Karnevalssession führen. Das Prinzenmotto lautet: „ Dä Prinz jitt Jas und Wurringe hät Spass“.                                                         

 Laut Chronik wurde die KG „Löstige Junge“ am 1. Januar 1909 um 11 Uhr, 11 Minuten und 11 Sekunden in der Gaststätte „Zum Amerikaner“ (später „Kölner Hof“) * gegründet. Eine kleine Gruppe der aufgelösten KG „Frohsinn“ blieb zusammen und beschloss, mit einigen Freunden eine neue KG ins Leben zu rufen. Als Gründer unterzeichneten Peter Boes, Matthias Fischer (I), Mathias Fischer (II), Johann Hüsch, Matthias Jehnen, Heinrich Schall, Mathias Winter und Gottfried Zimmermann. Als Kennzeichen für die KG wählte man die Farben „blau wieß“ und zum Leitspruch erkor man „Humor und Scherz erfreut das Herz“. Ab 1911 hatte Bernhard Jansen die Präsidentschaft übernommen, gab sie jedoch schon 1914 an Matthias Fischer ab, der die KG bis 1921 führte. Im Jahr 1927 würdigte die KG „Löstige Junge“ seine Verdienste mit der Ernennung zum Ehrenpräsidenten.                                                            

 Da ein gemeinsamer Rosenmontagszug aller Karnevalsgesellschaften unter der Leitung eines Festkomitees für das Jahr 1909 nicht zustande kam, gab sich die neu gegründete KG „Löstige Junge“ - in Ermangelung eines Prinzen - ihrem Festwagen den Titel „Tünnes als Prinz Karneval“. Die Worringer Karnevalsgesellschaften veranstalteten Bälle, Sitzungen und jede für sich einen eigenen Rosenmontagszug (im Übrigen bis 1914).

 Die Prinzen der KG „Löstige Junge“ waren

1910/11 Matthias (Matthias I.) Jehnen, 1926/27 Matthias (Matthias II.) Fischer, 1929/30 Mathias (Mathias II.) Jansen, 1933/34 Willi ( Willi II.) Lüdorff, 1937/38 Willi (Willi III.) Auweiler, 1951/52 Peter (Peter I.) Leusch, 1957/58 Heinrich (Heinrich IV.) Sauer, 1963/64 Peter (Peter II.) Könen, 1969/70 Fritz (Fritz II.) Nitsche, 1975/76 Gustav (Gustav I.) Böhmer, 1981/82 Franz (Franz II.) Hüsch, 1987/88 Hans (Hans II.) Büttgen, 1994/95 Stephan (Stephan I.) Hittmeyer, 2001/02 Volker (Volker I.) Lippert, 2006/07 Erhard (Erhard I.) Just.                                                       

Wegbereiter für den Neubeginn des Gesellschaftslebens nach dem 1. Weltkrieg, aber ebenso auch Mitgründer der „Vereinigten Karnevalsgesellschaften“ von 1927, war Matthias Fischer (geb. 1886, verst. 1952). Er entstammte einer alten Worringer Familie und wuchs unter 14 Geschwistern auf. Schon als Schuljunge führte er in Worringen seine ersten selbst verfassten Hänneschen-Bühnenstücke auf, meistens „en der Schüür udder op der Läuv“. 1908 erklang sein erstes Karnevalslied. Es dauerte nicht lange, da war er schon in der weiteren Umgebung Worringens bekannt. In seiner Gesellschaft wäre kein Karneval ohne ihn denkbar gewesen. Jedes Jahr widmete er ihr neue Lieder mit Motiven aus seinem geliebten Worringen. Matthias Fischer bestieg als Höhepunkt in der Session 1926/27 den Prinzenthron. In den 1930er Jahren bot die KG „Löstige Junge“ einen Sitzungskarneval, der auf einem hohen Niveau stand. Dank dem literarischen Talent von Matthias Fischer und ausgezeichneten Gesangskräften erlebte die KG eine Blütezeit. Matthias Fischer, von seinen Worringer Freunden „Mäte Mattes“ genannt, galt als ein Heimatdichter, der Besinnliches und Humorvolles in seinen Liedern treffend darzustellen wusste in Bezogenheit auf die damaligen hiesigen Verhältnisse. Seine Hauptaufgabe sah er in der Gestaltung des Worringer Heimatfestes, des Karnevals. Die geschriebenen Worte im seinen 128 verfassten „Werken“ sind alle in unverfälschtem Worringer Platt geschrieben, wie sein u. a. wohl bekanntestes, noch heute viel gesungenes Lied:

Wenn mer jung es, weed geleet

 e Handwerk su apaat.

 Wenn der Lenze zwanzig keet,

 we´s do noch stramm Zaldat.

 Es vorbei, su denk bei deer,

 wat langk weed, dat weed got.

 Doch bei dinger Levvenslehr

 nemm ahn von meer dä Rot:

 

„Jung´, vergeß et Bütze nit,

 e Bützge, dat schmeck got!

 Denk dran, dat em Bütze litt

 Freud un Levvensmot.

 Dröm bes keine Schländerjahn,

 zeig dich als Genie.

 Denk, et es kein Sünd´- fang ahn,

 un et deit nit wieh!“

 

* Am 23. Juni 1876 eröffnete Jacob Kluth in dem Anwesen Lievergesberg 27 eine Gaststätte, welche im März 1897 von seinem Sohn Peter übernommen wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt arbeitete er in Amerika. Das dort verdiente Geld investierte er in die Gaststätte seines Vaters. Aufgrund dieser Tatsache gaben die Worringer der Gaststätte den Namen „Zum Amerikaner“. Die Gaststätte wurde im Juli 2010 geschlossen.

 

Manfred Schmidt, Dezember 2012

Literaturquellen

Josef Gödecke: „Die Geschichte des Worringer Karnevals“, Köln 1988

KG „Löstige Junge“: „Festschrift 2006/07“

Abbildungen Heimatarchiv Worrin