Prinz Bernd I.

 

Kaum beginnt das neue Jahr, sodann stehen die „Fastelovendsjecke“ in Worringen wieder bereit und können nicht erwarten, dass es endlich losgeht. Die alljährliche Prinzenproklamation im Januar stellt den ersten Höhepunkt auf dem Weg bis zu den „3 tollen Tagen“ dar.

Die KG Närrische Grielächer Worringen von 1902 e.V. fiebert besonders dieser Proklamation entgegen, fällt ihr doch turnusgemäß nach 6 Jahren wieder die Aufgabe zu, in der Session 2011/12 den Worringer Karnevalsprinzen zu stellen. Bernd Jansen als Bernd I., sein Hofstaat und ihre Gesellschaft werden die Worringer Jecken durch die bevorstehende Karnevalssession führen. Das Prinzenmotto lautet: „ Kunterbunt, wie jeder will - dat Worringer Fastelovendsspill“. Die Session 2011/12 wurde am 12. November 2011 vom Festkomitee Worringer Karneval von 1886 e.V. mit einem bunten Programm eröffnet. Die Gesangsgruppen veranlassten die Besucher zum Mitsingen und Schunkeln, während die Tanzkorps mit artistischen Hebefiguren begeisterten.

Von den heute bestehenden Gesellschaften ist die im Jahre 1902 gegründete KG „Immerfroh“ die älteste. Im gleichen Jahr gründeten Mitglieder des Männer-Gesang-Verein 1848 e.V. die KG „Närrische Grielächer“. Fastelovend durfte damals nicht viel kosten. In seiner Gestaltung und auch Kostümierung war man bescheiden. In den mit Liebe, Einfallsreichtum, aber mit einfachen Mitteln hergestellten Kostümen steckte viel Witz. Mit Vorliebe wurden echte Worringer „Originale“, an denen im Ort kein Mangel war, nachgeahmt. Mit viel Lärm zogen die Gruppen mit „decker Trumm un Zimmdeckele“, aber auch mit Schweinsblasen, die mit Erbsen gefüllt, ein herrliches lautes Instrument waren, durch die Worringer Straßen. Man ging zu Bekannten und freute sich inniglich, wenn man in seiner Maskerade nicht erkannt wurde. So ging es an den 3 tollen Tagen Tag und Nacht durch. Die Jecken sagten: „Gestere sin mer hück heimgekumme, un hück kumme mer morge heim!“

 Mathias Faßbender (geb. 9. Juni 1883, verst. 27. November 1952) war von 1905 bis 1919 Präsident der KG „Närrische Grielächer“ und bestieg in der Session 1928/29 als Mathias I. den Prinzenthron. Die KG „Närrische Grielächer“ würdigte seine Verdienste mit der Ernennung zum Ehrenpräsidenten. Er ging als Karnevals- und Heimatdichter in die Geschichte Worringens ein. In Anerkennung seiner Verdienste wurde im Ort eine Straße - Sackgasse zur Straße „Zu den Bendengärten“ - nach ihm benannt. Mathias Faßbender, von seinen Worringer Freunden „Niese Mattes“ genannt, besaß das Talent, die Worringer Eigenarten in Verse zu kleiden und so der Nachwelt zu erhalten. Seine Hauptaufgabe sah er in der Gestaltung des Worringer Heimatfestes, des Karnevals. Für dieses Fest schrieb er unendlich viele Lieder, Gedichte und Büttenreden. Seine geschriebenen Worte haben eines gemeinsam: sie sind alle in unverfälschtem Worringer Platt geschrieben. Alle Einfühlsamkeit und die Innigkeit zu seinem Heimatort hat er zum Beispiel im folgenden Vierzeiler ausgedrückt:

                                       „Wat litt mie Wurringe herrlich schön

                           am ahle Vatter Rhing.

                           Senn ich van fän sing Kirchetöön,

                                              dann lach mer Sonnesching!“

Eine Vielzahl seiner Lieder wurde von dem Musiker Anton Meurer vertont und gehört zu den Standardwerken im Worringer Karneval.

 

Manfred Schmidt, Dezember 2011

Literaturquellen

Josef Gödecke: „Die Geschichte des Worringer Karnevals“, Köln 1988

Toni Müller: „Chronik des Worringer Karnevals“, Köln 1966

KG Närrische Grielächer Worringen von 1902 e.V.: „Festschrift 2006“