Worringer Meilenstein

 

Zur Vollständigkeit der Kleindenkmale muss auch auf Meilen- und Grenzsteine in Worringen verwiesen werden. Gegenüber Feldkreuzen, Bildstöcken und religiösen Bildwerken waren die kleineren Objekte stets in Gefahr, schnell abgebaut zu werden und somit vom Ort ihrer Bestimmung zu verschwinden.

Der Worringer Meilenstein steht versteckt und unscheinbar im rückwärtigen Teil der ehemaligen Gastwirtschaft „Minney“ hinter Leitplanken an der alten Straßenführung „Alte Neusser Landstraße“ in Höhe der Einmündung „Alte Römerstraße“. Nach Form, Schrift und Entfernungsangabe zu urteilen, stellte man den hochrechteckigen Steinblock mit verbreitertem Sockelteil und Rundbogenkopf vermutlich 1889/90 auf. Die Setzung dieses Steines kann im Zusammenhang mit einer Landratsverfügung vom 24. Juni 1889 stehen, worin die Bürgermeisterei Worringen aufgefordert wurde, sich um Straßensteine aus Basaltlava zu kümmern. Auszug aus dem Protokoll vom 20. August 1889 des Gemeinderates für Worringen: „Der Gemeinderat beschließt nach Kenntnisnahme einer Verf. des Lr. Wegweiser aus Basaltlava herstellen und aufstellen zu lassen.“                                            

Der naturbelassene Stein hat eine Gesamthöhe von 1,07 m, der Schaft oben 0,37 m und unten 0,43 m, der Sockelfuß 0,62 m. Der Wegweiser ist stark verwittert, doch lässt sich auf der Vorderseite der Wortlaut „ 2 M e i l e n“ (Zahlenart arabisch, Schriftart Kursiv) erkennen. Darunter befindet sich eine rechteckige Vertiefung, in der ehemals eine Metallplatte mit der Inschrift „C ö l n" (Abmessungen 0,23 m bzw. 0,11 m) eingelassen war. Der Worringer Meilenstein ist in der Liste der Baudenkmäler der Stadt Köln eingetragen und steht unter Denkmalschutz.                                 

Im 18. und 19. Jahrhundert wurde vom preußischen Staat ein Straßenbauprogramm zur Verbesserung der Infrastruktur und Wirtschaft in Gang gesetzt. So entstand entlang des Mittelrheintals eine Uferstraße, an der zur Entfernungsmessung diese Meilensteine aufgestellt wurden. Die preußische Meile war 7,532 km lang. Die Abschnitte zwischen den Steinen betrugen allerdings nicht immer genau eine Meile. Oft wurde wohl mehr Wert auf Ortsnähe als auf Genauigkeit gelegt.

Der Worringer Meilenstein, allgemein auch Postmeilenstein genannt, ist einer von sechs in der Datenbank der „Forschungsgruppe Meilensteine e.V.“ aufgeführten Stelen in Köln. Die anderen stehen in Ostheim, Marsdorf, Rondorf, Bocklemünd und Longerich. Die Meilensteine dienten zunächst der Post, die nach festgesetzten Entfernungen die Beförderungszeiten, Personen- und Extrapostsätze sowie das Paket- und Geldporto regelte. Mit Beginn des Chausseebaus wurden Meilensteine auch zur Bestimmung der Chausseelängen errichtet. Wie die meisten ihrer Vorgänger erhielten sie Angaben zu Orten und Entfernungen.                                                        

Ein weiterer Grenzstein steht nördlich der Ortslage Worringen bzw. im hinteren Bereich an der Kreuzung der heutigen B 9 mit der Zufahrt zum TSV Bayer-Sportcenter und Chempark Dormagen. Der Stein ist ungefähr 1 m hoch, über dreieckigem Grundriss geformt, mit einer dachartigen Abschrägung und der Inschrift: Dormagen / Köln, darunter SDW (Schutz Deutscher Wälder) 1981 versehen. Einst stand der Grenzstein unmittelbar an der Neusser Landstraße und wies die Grenze zwischen Worringen und Dormagen aus.                                                       

Vor der ehemaligen Aral-Tankstelle Neusser Landstr. 131 fällt ein Markierungsstein mit der Inschrift „BP 088“ auf. Das BP steht für die Bundespost, genauer die Deutsche Bundespost. Der Stein markiert den Verlauf der Telefonleitung von Köln nach Dormagen. Diese wurde vor Jahren vom damaligen Fernmeldeamt der Deutschen Bundespost verlegt und der Verlauf mit diesem Stein markiert. Die Deutsche Bundespost gehört bereits zur Geschichte. Mit der Privatisierung hat die Bundesregierung die volkswirtGrenzstein Abb. 4 BP 088 kleinschaftliche Verpflichtung der Deutschen Bundespost aufgegeben. Mit der rasanten Verbreitung der ADSL genügte die vorhandene Telefonleitung nicht mehr den technischen Anforderungen. Eine Modernisierung der Leitungen wäre zwar dringend überfällig, aber für die Nachfolger der Bundespost, die Deutsche Telekom und deren Wettbewerber, unter Renditeaspekten nicht mehr interessant.

Die alten Limitsteine (Grenzsteine), die einst die „Herrlichkeit Worringen“ des Erzstiftes Köln absteckten, sind leider verschwunden. Nach einer Beschreibung um 1785 verlief die Grenze „vom Langeler Frasen (unterhalb Langel) am Rhein über die Steinstraße (Alte Römerstraße) zur Gerichtsstätte an der Kölner Straße (Neusser Landstraße), dann weiter bis zum Escher Busch, über den Sinnersdorfer Weg (nach Sinnersdorf und Hasselrath) zum Chorbusch bis nach Schloss Arff, von dort, Hackhausen ausklammernd, zum Sasserhof (bei Dormagen), dann nach Osten, um kurz vor dem Rhein nach Norden umzuschlagen und entlang des Flusses bis zur Piwipp.“ Dem Domkapitel „als den Herren“ stand über dieses Gebiet, welches Worringen, Roggendorf und Thenhoven umfasste, die volle Gerichtsbarkeit zu. Obwohl das Domkapitel die volle Gerichtsbarkeit besaß, blieb die „Herrlichkeit Worringen“ jedoch territorial eine Unterherrschaft des kurkölnischen Amtes Hülchrath. Der Grenzverlauf im Westen und Norden hatte sich bis ins 20. Jahrhundert kaum geändert.

 

Manfred Schmidt, März 2014

Literaturquelle

Dagmar Hötzel: „Stadtspuren Denkmäler in Köln-Worringen und Roggendorf-Thenhoven, Siedlungsgeschichte bis 1914“, Köln 2002