Was stand vor mehr als 50 Jahren über Worringen im „Fips“?

Hier eine Auswahl aus dem Monat April 1965; wird fortgesetzt.

 

  • Silbernes Dienstjubiläum bei der Bundespost: Oberpostschaffner Jakob Schiefenbusch.
  • Die Katholische Volksschule am Holzheimer Weg wurde in Anwesenheit zahlreicher prominenter Gäste eingeweiht.
  • Die Katholische Arbeiterbewegung (KAB) hielt ihre Generalversammlung ab; Vorsitzender F. Schumacher. Die Vereinigung hat 71 Mitglieder.
  • Hubert Hilden und Frau geben der Bevölkerung von Worringen, Dormagen und Umgebung Kenntnis, dass sie am Samstag, dem 3. April in Köln-Worringen, St.-Tönnis-Straße 16 eine Gaststätte eröffnen!
  • Farbfilm-Lustspiel im Zentral Theater: „Jetzt dreht die Welt sich nur um dich; mit Gunter Philipp, Gitte, Rex Gildo.
  • Sportschau Fußball: BV 27 Worringen – Ford Köln 1:5
  • Generalversammlung Schwimmverein 1919 Worringen im Vereinslokal Matheisen-Meurer; Vorsitzender Franz Michel. Sieger des Klubkampfes  im Nippeser Hallenbad: Norbert Meurer, Franz-Josef Fuchs und Wilfried Kuhn.
  • Auf ihrer Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr wird erklärt, dass noch kein Grundstück für ein neues Gerätehaus vorhanden ist.
  • Im Alter von 72 verstirbt Hubert Korten, Polizeimeister i.R.    
  • Worringer Fußballer vor dem Abstieg gerettet. Sieg in Müngersdorf durch Tore von Kreschel und Kuhn.
  • Gaststättenübernahme von Wilhelm Annas und Frau Anna; Gaststätte „Zum Markt“
  • Ihre Vermählung beehren sich anzuzeigen: Heinz-Wolfgang Annas – Marga Annas, Evinghover Weg 14
  • In Worringen finden erstmals zwei Kommunionsmessen statt.
  • Frau Lieselotte Regel, Hackhauser Weg 44, sucht für modernen Haushalt eine Putzhilfe.
  • Gaststätte „Zur Domklause“ Lievergesberg 15, sucht Serviererin, perfekt in Service.
  • Steilwandzelt für 4 Personen für 350 DM zu verkaufen; Alte Neusser-Landstr. 251
  • Die Dramatische Vereinigung veranstaltet im Saale von Kaspar Schwarz einen Familienabend unter dem Motto „Tanz in den Mai“
  • Bäckerei Willi Bayer, Alte Neusser Landstr. 256, sucht Verkäuferin und Brötchenjunge! Kaufhaus A.Weber, St.-Tönnis-Str., sucht eine tüchtige Verkäuferin!
  • Wohin zum Wochenende? Zum „Tanz in den Mai“ mit der beliebten Kapelle „Die Explorers“ im Saale Kaspar Schwarz, St.-Tönnis-Straße 12. Bestgepflegte Biere, Weine und Spirituosen. Kalte Küche. Eintritt frei! Es ladet freundlichst ein: Der Wirt.

 Erstellt: Hans-Josef Heinz – Heimatarchiv Worringen e.V.

 

Wie Bayer nach Worringen kam

 

Zu Beginn des Jahres 1913 wurde das für gewöhnlich so beschauliche Leben in der bäuerlich geprägten Bürgermeisterei Worringen von einer eigenartigen Aufregung erfasst: Man sah sich mit einer „Industrieangelegenheit“ konfrontiert, deren „glückliche Erledigung“ für die künftige Entwicklung von größter Wichtigkeit zu schein schien. Vor allem Joseph Seul - seit 1907 Bürgermeister - wollte die Gelegenheit nicht ungenutzt lassen. Die Bürgermeisterei Worringen umfasste zu jener Zeit das „Städtchen“ Worringen (mit Schloss Arff, Haus Furth, Teile des Chorbusches und Piwipp sowie den zugehörigen Höfen Brüngesrather Hof, Bergerhof, Krebelshof, Blechhof) und die Dörfer Roggendorf, Thenhoven, Fühlingen (mit Feldkassel und Stallagsberg), Langel (mit Rheinkassel und Kasselberg), Weiler, Merkenich (mit den Höfen Groß- und Klein-Lachem) und hatte eine Fläche von rund 5.400 ha (= 28 % des damaligen Stadtgebietes Köln).
                                                             

Seul wusste nur zu gut, dass der industrielle „Take Off“ im Köln-Neusser Gebiet stattgefunden hatte. Die Neigung zur Niederlassung von Großindustrie war seit der Jahrhundertwende immer deutlicher hervorgetreten. Demgegenüber sah Seul seine Gemeinde eindeutig im Hintertreffen. Sicherlich: „Die Zeit, dass die Gemeinde eine rein landwirtschaftliche Bevölkerung hatte“, war längst entschwunden. Es existierten zwar Ziegeleien, Sägewerke, Brauereien, eine Kettenschmiede und Korbmacherbetriebe, trotzdem konnte man nicht von einer industriellen Struktur sprechen. Ein Großteil der arbeitenden Bevölkerung hatte immer noch eine Beschäftigung in der Landwirtschaft und lebte vom Fischfang. Zumal waren in Worringen zahlreiche Straßen und Wege noch nicht befestigt. Es gab keine Kanalisation, kein elektrisches Licht. Das Wasser wurde mit der Schwengelpumpe im eigenen Hof gepumpt oder aus dem Gemeinschaftsbrunnen geholt.

Da die Leverkusener „Farbenfabriken Bayer AG vorm. Friedrich Bayer & Co.“ infolge der stürmischen industriellen Entwicklung kurzfristig Gelände benötigte, wurde 1913 das unbebaute, nur von einem Feldweg durchzogene Ackergelände zwischen den Ortschaften Worringen und Dormagen (mit einer Größe von insgesamt ca. 650 Morgen (* 1), davon ca. 230 Morgen Worringer Gebiet) durch „geheimnisvolle Mittelsmänner“ angekauft, da die Farbenfabriken eine Preistreibung verhindern und deshalb bei den Verhandlungen nicht genannt werden wollten.
Seul hatte zuvor - ohne konkret zu werden (* 2) - den vielen Grundstücksverkäufern - den Bauern und kleinen Grundstücksbesitzern - deutlich gemacht, die Ansiedlung industrieller Großproduktion lediglich dann zustande kommen könne, wenn alle Parzellen zusammenhängend und zu angemessenem Kaufpreis der Gemeinde überlassen würden (* 3). Die Anstrengungen des Bürgermeisters fanden letztlich trotz einiger Vorbehalte bei den Grundstücksverkäufern Zuspruch. Am 31. März 1913 meldete das „Berliner Tageblatt“, dass auf dem linken Rheinufer nahe Leverkusen große Grundstücke zur Anlage neuer Betriebe erworben worden waren. Als Käufer hatten sich die Farbenfabriken zu erkennen gegeben, jenes weltweit operierende Farben-, Pharma- und Chemieunternehmen, das seit 1899 Aspirin produzierte und im 50. Jahr seines Bestehens (gegründet 1863 in Elberfeld) einen der größten Konzerne in Deutschland darstellte.
                                                                                             
Zwischen Anschein und Wirklichkeit klaffte allerdings eine Kluft. Die tatsächlichen Hintergründe der Grundstückskäufe vermochte kaum jemand zu erfassen. So sehr etwa die öffentliche Berichtserstattung den lokalen Erwartungen entgegenkam, so wenig gab sie die Pläne wieder, die von den Farbenfabriken mit dem umfangreichen Grundstückserwerb verfolgt wurden. Es ging gar nicht um eine großindustrielle Nutzung. Die für den Ankauf ursprünglich bestimmende Absicht bestand vielmehr darin, Depots zu schaffen für den im eng bebauten Leverkusen auf die Dauer nicht mehr unterzubringenden bei der Produktion entstandenen Schlamm- und Schuttanfall (ton-, kalk- und gipshaltige Stoffe der Farben- Rückstände sowie Kesselschlacke und Bauschutt).

Zweifelsohne brachten es die Planungen mit sich, dass das Gebiet zwischen Worringen und Dormagen in ein für industrielle Zwecke geeignetes Gelände umgewandelt wurde. Ein kurz- oder mittelfristiger Baubeginn für ein großes Industriewerk - wie gegenüber der Presse verlautbart - war jedoch vorerst nicht Teil der Unternehmungsplanung. Der Blick war von Beginn an auf Auftragsvergaben im Rahmen des Schuttkippen-Projektes gerichtet.

Die Planungen der Farbenfabriken konnten jedoch nur zu einem kleinen Teil verwirklicht werden. Zwar begannen sie mit der Ausbaggerung des Geländes, zur Ablagerung von Industrieabfällen ist es jedoch bedingt durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges am 1. August 1914 nie gekommen. Militärpolitische, aber auch unternehmerische Interessen machten es für die Farbenfabriken notwendig, ihre Pläne für das Gelände grundlegend zu ändern. Worringen und Dormagen erhielten letztlich doch ein bedeutendes Industriewerk.
                                                         

* 1 1 Morgen = im Durchschnitt 25-30 Ar, 100 Ar = 1 Hektar
* 2 Gegenüber Dritten geschickt mit Teilwahrheiten und Verschleierungsmanövern
operierend, war es den „Mittelsmännern“ der Farbenfabriken gelungen, Fortschrittshoffnungen in den Landgemeinden anzusprechen und die Gemeindeoberen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Seul teilte man bedeutungsvoll mit, dass eine Industrie sich für das Gelände interessierte und große Vorteile für die Kommune zu erwarten seien. Mahnend hob man hervor, dass das Projekt scheitern würde, wenn nicht in kürzester Frist die Eingesessenen für ihren Auftraggeber annehmbare Forderungen stellten.
* 3 Auf einer Volksversammlung versprach Seul den Anwesenden die Schaffung tausender Arbeitsplätze und ersuchte die Besitzer der fraglichen Grundstücke dringend, ihre Ländereien zum Wohle aller Worringer Bürger der Gemeindeverwaltung „für eine gewisse Zeit“ zum Verkauf fest an Hand zu geben.

 

Literaturquellen
Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2007 (2006) des „Kreisheimatbund Neuss e.V.“
Archivunterlagen des „Heimatarchiv Worringen e.V.“

Manfred Schmidt

 

Ausstellungsspektrum  im Heimatarchiv erweitert

 

Um den Besuchern des Heimatarchivs einen ungehinderten Blick auf die ausgestellten Exponate zu ermöglichen, haben die „Zwei aus der Werkstatt“Wolfgang Keller und Friedel Annas, die Ausstellungsfläche um drei Vitrinen erweitert.

 



      

Hier eine Auswahl der dort ausgestellten Exponate:

         

 Schreibmaschine aus der Amtsstube des letzten Worringer Bürgermeisters Josef Seul (1907 – 1922) mit

Visitenkarte und Briefbogen der ehemaligen Gemeinde Worringen.

     Auszug des Eingemeindungsvertrags von 1921.Worringer,                                      

 

 

                   

 Schöffen-, Pfarr- und Amtssiegel, Auszeichnungen und Medaillen von Schwimmer Peter Meurer (Taate Lang),

                                              

 

                                                                                                           

Ehrenzeichen aus der Kaiserzeit für Hebamme Maria Meurer.

 

                   

Unikate und Fotos aus der Geschichte des Worringer Karnevals. Schlüssel des ehemaligen Polizeigewahrsams in „Alt Pankratius“.


Bericht: Hans Josef Heinz                                                                                                                                                              

Foto: Heimatarchiv Worringen e.V

  • 1
  • 2